Digitales Mentaltrainig mit dem Leipziger Startup Mindance

Das Mindance Team v.l. David Schumann (CTO); Robin Maier (Gründer); Florian Stenzel (Backend Entwickler); Andrea Hesse (Praktikantin); Lukas Stenzel (Gründer); David Hoffmann (Werkstudent); Lisa Kleinsimlinghaus (Praktikantin)

Stress auf der Arbeit war gestern: Mit dem vom Leipziger Startup Mindance entwickelten Programm haben Unternehmen die Möglichkeit, wissenschaftlich fundiertes Mentaltraining für ihre Mitarbeiter in Form einer digitalen Lösung als Teil der Personalentwicklung und betrieblichen Gesundheitsförderung zu integrieren. Die Trainings tragen zum psychischen Wohlbefinden der Mitarbeiter bei, fördern Konzentration und Aufmerksamkeit und reduzieren Stress.

Eine mentale Auszeit am Arbeitsplatz

Über eine intuitive App können Mitarbeiter auf eine breite Auswahl an Trainings zugreifen, unabhängig von Ort und Zeit. Die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit der Trainings können Unternehmen optional über ein Online-Reporting nachverfolgen und darauf basierend strategische Entscheidungen treffen. Gemeinsam mit der AOK Plus und dem renommierten e-health Accelerator SpinLab in Leipzig arbeiten Mindance gerade an einem digitalen Coach für die Hosentasche, was einzigartig auf dem gesamten „Mentaltrainingsmarkt“ (einschließlich Achtsamkeits-Apps) ist. Außerdem hat Mindance bereits namhafte Kunde und Kooperationspartner wie beispielsweise Bosch Power Tools oder die AOK Plus (Sachsen & Thüringen). Wir haben den Gründern von Mindance, Lukas und Robin, ein paar Fragen gestellt.

Woher kam die Idee zu Mindance und seit wann gibt es das Startup?

Robin: Lukas und ich kennen uns schon seit der Schule und wir haben bereits gemeinsam versucht ein Patent anzumelden und andere Ideen mehr oder weniger umzusetzen. Lukas war dann Trainee bei Bosch und hat bei seiner Station in Stuttgart nicht sofort ein Zimmer bekommen. Deshalb ist er in mein kleines Einzimmer-Apartment gezogen, eigentlich nur vorübergehend, aber daraus wurden 6 Monate auf engsten Raum. Lukas hat zur selben Zeit für seine Abschlussarbeit in der Sportpsychologieausbildung und für die Betreuung von Spitzenathleten ein achtsamkeitsbasiertes Mentaltraining entwickelt.

Ich habe jeden Morgen meditiert, was ich beinahe schon seit 10 Jahren mache und so war mir das Thema Achtsamkeit nicht fremd. Und so entstanden lebhafte Diskussionen, wie wir Meditation, Achtsamkeit und im Allgemeinen ein mentales Training betriebstauglich und zugänglich für alle Mitarbeiter in einem Unternehmen gestalten könnten. Relativ schnell wurde klar, dass wir beide davon überzeugt sind, dass vor allem Achtsamkeit für eine positive Veränderung beim Individuum sorgen kann und aufgrund dessen auch ein Wandel im Unternehmen und in der Gesellschaft angestoßen werden kann. An Silvester 2016/2017 war es dann soweit, wir beschlossen unsere Jobs zu kündigen, um dann im Mai 2017 die Mindance GmbH mit unseren Ersparnissen zu gründen.

Wie viele Unternehmen nutzen mindance bereits?

Robin: Wir arbeiten mit einigen kleineren Unternehmen zusammen, haben aber von Beginn an auch Erfahrung mit „Big Playern“, wie beispielsweise Bosch Power Tools, um einen von unseren engsten Kunden und Kooperationspartnern zu nennen. Außerdem sind wir im engen und stetigen Austausch mit der AOK Plus Sachsen.

Wie fallen die Reaktionen bisher aus?

Lukas: Anfangs sind die Leute skeptisch, wenn sie Mentaltraining hören, da sich in diesem Bereich auch viele Esoteriker tummeln und den Leuten ziemlichen Quatsch verkaufen. Diese Skepsis ist für uns aber ein totaler Marktvorteil, weil die Unternehmen schnell merken, dass wir nur mit handfesten und wissenschaftlich fundierten Techniken arbeiten. Die fundierten Techniken zahlen sich dann auch aus und wir können von uns behaupten, dass wir bisher nur tolle Ergebnisse erzielt haben: die Nutzer von Mindance berichten von einem reduzierten Stresspegel, einem erhöhten Wohlbefinden und einer besseren Konzentration.

Was sind die heutigen Anforderungen an einen Mitarbeiter?

Lukas: Im Zuge der Digitalisierung träumen viele, in bestimmten Bereichen auch zu Recht, von einem vollautomatisierten Unternehmen und Entscheidungen auf Basis von Algorithmen. In kleinen Bereichen in denen das Risiko kalkulierbar ist, ist das möglich, auf größerer Makroebene führt dass aber zu mehr Geschwindigkeit und zu einem höchst volatilen Markt, der sich einer vollautomatisierten Kontrolle entzieht. Eine Entscheidungsfindung, bei der alle Einflussfaktoren bekannt sind und gegeneinander abgewogen werden können, dürfte in unserer immer komplexer werdenden Welt also nur noch selten möglich sein. Viele Entscheidungen müssen intuitiv oder besser gesagt unter Unsicherheit getroffen werden. Mentaltraining kann dabei helfen, dass wir auf unsere Gefühle achten, eine andere Perspektive einnehmen, um dadurch schnell und effektiv Entscheidungen zu treffen. Mentaltraining ist also unabdingbar für die heutigen Anforderungen in der Arbeitswelt.

Wie kann mindance die individuelle Arbeitskraft vergrössern?

Robin: Es geht nicht nur darum die individuelle Arbeitskraft zu vergrößern. Für jeden einzelnen Mitarbeiter bringen die von Lukas skizzierten Veränderungen in besonderer Weise Herausforderungen mit sich, die sowohl als Bedrohung oder Chance wahrgenommen werden können. Viele Mitarbeiter sind dem steigenden Druck und Dauerstress nicht mehr gewachsen und werden krank. Burn-Out, Depressionen, Angststörungen und andere stressbedingte Erkrankungen wie Rückenschmerzen verursachen individuelles Leid und immense Kosten für das Unternehmen. Durch ein zielorientiertes Mentaltraining kann diesem Risiko vorgebeugt werden. Gleichzeitig wird dadurch der Grundstein für einen konstruktiven Umgang mit den Herausforderungen der heutigen Zeit gelegt und das individuelle Wohlbefinden gesteigert.

Wer war alles an der Entwicklung von mindance beteiligt?

Lukas: Wir hatten von Beginn an Unterstützung von allen Seiten. Besonders zu nennen ist David Schumann, unser CTO. Er hat bereits während seiner Masterarbeit am renommierten Hasso Plattner Institut in Berlin begonnen mit uns zu arbeiten und ist verantwortlich für die Appentwicklung. Darüber hinaus arbeitet mein Cousin Flo als Backend-Entwickler bei uns, wie auch Andrea und Lisa als Praktikantinnen und David Hoffmann als Werkstudent. Mit Sicherheit dürfen wir auch unsere Familie und Freunde nennen, ohne deren Zutun wäre es nicht möglich gewesen. Außerdem muss man Bosch Power Tools einen großen Dank aussprechen, die als Erstes in unser kleines Start-up vertraut haben und uns so den nötigen Rückenwind gegeben haben.

Was unterscheidet mindance von klassischen Meditationsapps?

Lukas: Einmal ist es der Inhalt – Wie ihr bereits sagtet, Meditationsapps! Meditation ist eine bestimmte Art von Mentaltraining, dennoch gibt es eine viel größere Bandbreite. Wir haben eine Vielzahl von fundierten Techniken beispielsweise aus der Resilienzforschung, der Sport- und Leistungspsychologie, bis hin zu Techniken aus dem Bereich der Kognitionspsychologie. Zweitens der Markt, wir sind rein B2B tätig, daraus ergibt sich beispielsweise das wir zu 100% anonym arbeiten und höchste Datenschutzrichtlinien einhalten. Und drittens, das interaktive Konzept bei uns. Im Juni werden wir eine neue Funktion in der App releasen, die es ermöglicht auf die Bedürfnisse des Mitarbeiters einzugehen und individuelle Trainings zu gestalten. Wir wollen der digitale und individuelle Mentalcoach für die Hosentasche werden.

Wie kann man sich die Anwendung eurer App vorstellen?

Robin: Wir sind im Unternehmen zwischen Personalentwicklung und Gesundheitsmanagement angesiedelt. Ohne Zweifel sind wir aber ein benefit für den Mitarbeiter und es wichtig, dass der Mitarbeiter selbst entscheiden kann, wann er unsere App nutzt. Deshalb haben wir auch ganz gezielte kurze Übungen, die der Mitarbeiter ohne Probleme während der Arbeit machen kann. Sozusagen die gesunde Raucherpause!

Kann jedes Unternehmen mindance anwenden?

Robin: Zunächst sind wir davon überzeugt, dass wir jedem Unternehmen mit Mindance weiterhelfen können. Aber klar ist auch, dass die Art des Training oder die Inhalte nicht jedem Mitarbeiter gerecht werden. Wenn man sich aber erst einmal für mentales Training wie beispielsweise die Meditation öffnet, sind wir überzeugt davon, dass wir einen Beitrag dazu leisten, dass mehr Menschen einen hochleistungsfähigen Geist entwicklen, der zutiefst glücklich, mitfühlend und friedlich ist. Und das beste ist einfach, dass unser Individueller, digitaler und interaktive Ansatz es ermöglicht Mindance schnell und einfach in den Alltag zu integrieren.

Nutzt das Mindance-Team auch Mindance zum abschalten?

Lukas: Also ich ganz ehrlich nur für bestimmte Anlässe, da ich mir bei jedem Satz denke – Mist, dass hätte ich besser Formulieren können. Trotzdem wenn ich während des Tages zwischen zwei Aufgaben einmal abschalten muss, nutze ich unsere App, besser gesagt unsere Job Minis (Anmerkung: Kurze Trainings für den Arbeitsalltag) sehr gerne.

Vielen Dank Lukas und Robin und weiterhin viel Erfolg!