Die Startup-Story vom Kinderparadies Julica-Design

Foto: @julicadesign v.l.n.r. Julia Kaupitwa und Carolin Malur

Julia Kaupitwa und Carolin Malur sind zusammen Julica Design – innovative Designs für Spielzeug und Kindermöbel. Wir treffen uns in ihrem Atelier in Halle. Während Carolin im Nebenzimmer die Pakete für die nächsten Bestellungen packt, erzählt mir Julia bei einem Kaffee ihre Startup-Story.

Julica Design in vier Sätzen?

Wir sagen gerne wir sind das „All-In-One-Wunder“, da wir für die Ideenfindung, das Design, die Produktionsorganisation sowie die Vermarktung, also Lager, Logistik und Vertrieb zuständig sind. Unserer Philosophie liegt eine faire und umweltfreundliche Herstellung zugrunde. Gerade, weil wir Dinge für Kinder schaffen, sollen nicht andere unter den Produktionsbedingungen ihrer Spielzeuge leiden müssen. Wir produzieren in den Bereichen Holz, Textilien und Papeterie und wollen, dass unsere Produkte die Fantasie der Kinder anregen und sich ganz natürlich in ihr Spiel integrieren.

Wann habt ihr mit Julica Design begonnen?

Wir haben zusammen an der Kunsthochschule Burg-Giebichenstein in Halle studiert und 2011 gemeinsam unseren Master in Spiel- und Lerndesign gemacht. Direkt im Anschluss haben wir unser Startup gegründet, und sind erstmal in eine zweijährige Orientierungsphase gestartet, weil wir noch nicht sicher waren, wo wir unseren Schwerpunkt setzen wollen. Gemeinsam mit unserem Mentor haben wir an unserem Fokus gearbeitet und konnten dann aktiv mit der Entwicklung, Vermarktung und dem Vertrieb unserer Produkte beginnen. Diese Arbeit hat dann in unserer ersten Kollektion Zookids gemündet.

Ihr hattet einen Mentor?

Wir haben an einem Mentoring-Programm der Burg teilgenommen. Für uns war es ein sehr gutes Programm, weil es konkret auf Herausforderungen für Gründer mit einem Kunst- oder Designhintergrund abzielt. Wir konnten uns einen Experten aus der Wirtschaft als Mentor aussuchen, und haben uns für Florian Berger, den Geschäftsführer und Gründer von Donkey Products entschieden. Die Arbeit mit ihm war sehr realitätsnah und individuell auf uns zugeschnitten. Er hat unser Konzept immer wieder kritisch hinterfragt und uns viel Know-how im Bereich Marketing und Vertrieb vermittelt. Obwohl sein Online-Shop hauptsächlich aus Geschenkartikeln besteht, haben sich doch etliche Aufgabenbereiche mit unseren überschnitten.

Wieso Donkey Products?

Wir wollten, dass unser Mentor auf denselben Vertriebswegen wandelt die auch wir anvisiert haben. Carolin hat Florian Berger ursprünglich auf einer Messe in Hamburg kennengelernt, auf der wir während unseres Studiums versuchsweise ausgestellt haben. Er hat damals schon international agiert und hatte demnach viel Erfahrung. Im Gespräch hat uns seine ‚Von-null-auf-hundert-Mentalität‘ beeindruckt, mit der er sein Unternehmen gegründet hat. Diesem mutigen Ansatz wollten wir auch mit Julica Design nachgehen.

Wer hat euch auf dem Weg dahin beraten?

Wir sind mit dem Existenzgründerseminar von Hoffmann & Partner in die Beratung eingestiegen, bei dem es um die grundlegende finanzielle Beratung geht. Dann ging es weiter mit dem Mentoring-Programm der Burg, welche uns praxisorientierte Hilfestellung geboten hat. Schon in dieser Zeit standen uns die Mitarbeiter vom Investforum Startup-Service beratend zur Seite und so haben wir uns für einen Gründerkredit bei der Investitionsbank Sachsen-Anhalt beworben. Wir wurden mit 100.000 Euro gefördert und haben damit zum Großteil unsere erste Kollektion finanziert. Nun helfen sie uns bei der Investorenakquise und das ist auf jeden Fall ein entscheidender Faktor, der uns dazu bewogen hat, hier in Sachsen-Anhalt zu bleiben: für Startups bietet die Region ein sehr gut organisiertes Netzwerk und unternehmerfreundliche Finanzierungsmethoden.

Warum sucht ihr erst jetzt nach einem Investor?

Wir haben festgestellt, dass wir unser Geschäftsmodell umstrukturieren müssen. Wir haben erkannt, dass sich unsere bisherige Strategie für uns nicht rentiert, bei der wir an Händler und Endkunden gleichzeitig verkaufen. Unsere Online-Verkäufe laufen gut, wir schöpfen dahingehend aber noch nicht ansatzweise alle Ressourcen aus. Wir wollen uns mehr auf das Endkundenmarketing konzentrieren und den Vertrieb über den Einzelhandel zurückschrauben. Um diesen Prozess erfolgreich zu meistern, brauchen wir Kapital, damit wir uns bei dieser Umstrukturierung Unterstützung eines Marketing-Experten suchen können.

Ist das für euch das Ende des Einzelhandels?

Ja, so sieht es leider aus. Mit unseren Produkten und unserer Philosophie sprechen wir vor allem kleine Läden und Concept-Stores an. Gerade die haben es mit der jetzigen Marktsituation sehr schwer, da sie immer mehr vom Online-Handel verdrängt werden. Diese Händler sind momentan überhaupt nicht risikofreudig um in neue Produzenten wie uns zu investieren. Außerdem waren die Messebesuche extrem kostenintensiv, über die unsere Händlerakquise bisher funktioniert. Wir haben festgestellt, dass die Abnehmerzahlen stagnieren und wir uns neue Vertriebswege suchen müssen.

Ihr geht also Online?

So könnte man es sagen. Wir werden unsere Social-Media-Präsenzen ausbauen und unsere Website online bewerben. Außerdem werden wir bald einen Image-Film veröffentlichen, den wir vor kurzem gedreht haben. Dank dem Investforum Startup-Service ist eine Kooperation mit Babysweets.com entstanden. Mit seinem Marketing-Know-how soll das Unternehmen für uns als eine Art Agentur fungieren. Unsere Produkte werden wir zusätzlich über die relevantesten Kanäle wie Amazon, Ebay und Google Shopping vertreiben. Ein spannender Weg steht uns also bevor.