Die HighTech Venture Days 2019

HighTech Venture Days 2019
(Quelle: HighTech Startbahn, Foto: BLEND3)

Auf den HighTech Venture Days 2019 sind zwei Tage lang 40 junge Hightech Unternehmen aus Europa auf über 170 InvestorInnen aus der ganzen Welt getroffen. 12 davon kamen aus Deutschland und brachten einen Kapitalbedarf von insgesamt 57 Millionen Euro mit. Darunter fünf Wachstumsunternehmen aus Sachsen, die insgesamt nach 12.2 Millionen Euro Kapital suchten. 

Technologie als Game-Changer

Nach und nach füllt sich der Raum in der Gläsernen Manufaktur mit Leuten. Nachdem auch die letzten Platz genommen haben, wird es erstmal dunkel. Auf dem Bildschirm auf dem zuvor noch das Logo der HighTech Venture Days 2019 zu sehen war, breitet sich jetzt ein Bild des Universums aus. Die Gäste lauschen gespannt der Geschichte der Entwicklung der Technologie. Sollten wir sie fürchten, oder hilft sie uns die Probleme unserer Zeit zu bewältigen? Die Antwort scheint klar.

Dann betritt Bettina Voßberg die Bühne. Die Vorsitzende des HighTech Startbahn Netzwerk e.V. beginnt ihre Begrüßungsrede mit einem Blick zurück auf die letzten sieben Jahre HighTech Venture Days. 2013, das Jahr in dem die Veranstaltung das erste Mal statt gefunden hat, wurde zum Beispiel die erste Pizza via 3D-Drucker gedruckt. Aber sie wirft auch einen Blick in die Zukunft. Denn zurzeit ändern sich die Ansprüche der Gesellschaft und somit auch der Wirtschaft an junge Unternehmen. SRI-Investment lautet hier das Stichwort, aber dazu später mehr.

HighTech Venture Days 2019
Neben dem klassischen, 7-Minütigen Pitch-Format, hatten Startups und Jungunternehmen die Chance an ihren Messeständen mit InvestorInnen ins Gespräch zu kommen. (Quelle: HighTech Startbahn, Foto: BLEND3)

Die HighTech Venture Days haben sich in den vergangen sieben Jahren zu einem der wichtigsten Veranstaltungen in der Hightech-Industrie-Branche Europas entwickelt. Jedes Jahr treffen in Dresden zahlreiche Startups und Wachstumsunternehmen auf potentielle PartnerInnen und InvestorInnen. Im Schnitt haben 15% der Jungunternehmen ihre InvestorInnen hier kennen gelernt. Seit 2013 wurden in 62 Finanzierungsrunden 550 Millionen Euro investiert. Gegeben hat es sogar 87 Runden, der Investmentbetrag ist hier allerdings nicht aus jeder Runde bekannt. 10 von 248 Jungunternehmen die in den letzten sieben Jahren gepitcht haben, schafften den Exit. Und auch dieses Jahr versprach wieder ein enormes Potential an Hightech Innovationen. Doch wie hat sich Europa insgesamt zuletzt in Sachen VC geschlagen?

So steht es in Sachen Venture Capital um Europa

Zur Jahresmitte lagen die globalen VC-Investitionen deutlich unter dem Tempo, das 2018 vorgelegt wurde. Während die VC-Investitionen in Amerika und Europa im zweiten Quartal 19 stark waren, wirkte sich ein zweites schwaches Quartal der Investitionen in China negativ auf das globale VC-Investitionsniveau aus. Trotz des geschwächten VC-Marktes in China verzeichnete Indien einen erfreulichen Anstieg der Investitionen, angeführt von mehr als einer Milliarde Dollar an Finanzierungsrunden für OYO Rooms (Quelle: HighTech Startbahn).

Trotz der anhaltenden Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Brexit, verzeichnete Europa ein solides zweites Quartal 19, darunter eine Erhöhung um 575 Millionen US-Dollar durch Deliveroo und 484 Millionen US-Dollar durch GetYourGuide aus Deutschland.

Zum Ende des zweiten Quartals 2019 konnten junge europäische Unternehmen 7,88 Mrd. Euro in 825 Deals einsammeln. Deutschland hat im zweiten Quartal 19 einen soliden Betrag an VC-Investitionen angezogen. Neben Fintech sind auch Nachhaltigkeit und Logistik Trendthemen für die kommenden Quartale. Industrieunternehmen verstetigen ihre Corporate Venture Capital Aktivitäten und festigen ihre Position im Wagniskapitalmarkt (Quelle: Hightech Startbahn). 

„Wir brauchen noch mehr Wagniskapital in Europa, um nicht von den USA und Asien abgehängt zu werden. Gerade im Bereich Wachstumsfinanzierung haben wir noch besonders viel zu tun. Derzeit fließt sehr viel Geld in die Forschung. Wir sehen täglich Spitzentechnologien von Universitäten, Forschungsinstituten und auch aus kleinen und mittelständischen Unternehmen, die in den nächsten Jahren in den Markt drängen werden. Wenn der Transfer dieser Technologien und der Unternehmensaufbau mit ausreichend finanzieller Power und guten Leuten gelingt, hat Europa eine gute Chance, sich weiter an der Weltspitze positionieren zu können.“, erklärt Jörg Schüller, CEO der HighTech Startbahn.

Die 40 besten Europas auf der Suche nach 150 Millionen Euro

HighTech Venture Days 2019
40 der besten Jungunternehmen Europas waren in der Gläsernen Manufaktur für die #HTVD19 in Dresen zusammen gekommen. Sie trafen an zwei Tagen auf mehr als 170 mögliche Kapitalgeber. (Quelle: HighTech Startbahn, Foto: BLEND3)

Die Veranstaltung hat den Anspruch, sich auf das wesentliche zu konzentrieren: Die Vermittlung von Kapital. Aus diesem Grund werden auch nur die besten Jungunternehmen und die erfolgsversprechensten InvestorInnen für die Hightech Venture Days 2019 ausgewählt. Im Fokus standen Unternehmen aus den folgenden sechs Schlüsseltechnologien: Maschinen- und Anlagenbau, Mikro- und Nanotechnologie, Informations- und Kommunikationstechnik, Umwelt- und Energietechnik, Materialwissenschaften, Life Sciences und Transport. Sechs von ihnen kommen aus Sachsen:

Arioso Systems

Arioso-Systems, ein Spin-off des Fraunhofer-IPMS in Dresden, entwickelt und vermarktet eine neuartige, disruptive Mikrolautsprecher-Technologie auf Basis aller Silizium-MEMs. Sie tragen dazu bei, den In-Ear-Headset- und Hörgerätemarkt zu revolutionieren. Ihre Technologie verspricht Skalierbarkeit im Milliardenbereich, einen extrem niedrigen Stromverbrauch und beste Klangqualität.

Senodis Technologies GmbH

Senodis bietet eine neuartige Lösung für die Teilekennzeichnung, -identifikation und -verfolgung in rauen Produktionsumgebungen wie der Metallverarbeitung mit hohen Temperaturen. Mit seinem Produkt ermöglicht Senodis seinen Kunden, jede einzelne Komponente entlang der Produktionskette zu verfolgen und ebnet damit der Metallindustrie den Weg in die Ära der digitalisierten Fertigung.

Conimon GmbH

Die Conimon GmbH entwickelt und vertreibt I4.0- Software für die automatisierte Tiefendiagnose von Industrieanlagen und rotierenden Maschinen. Das Leistungsspektrum umfasst die Analyse von defekten Komponenten und deren Schadenshöhe sowie die automatisierte Ableitung von Handlungsempfehlungen.

herone GmbH

Die herone GmbH bringt hervorragende Leistung aus Kohlenstoff- Verbundwerkstoffen in die Serienanwendung, indem sie die Herone Technologie an die Bedürfnisse ihrer Kunden anpassen. Die Vorteile für ihre Kunden sind hervorragende Verbundleistung, effiziente Verarbeitung und erweiterte Funktionalität. Basierend auf der Herone Technologie entwickeln, produzieren und vertreiben sie thermoplastische Hochleistungs-Verbundprofile.

Hybrid Lidar Systems AG

Die Hybrid Lidar Systems AG baut die nächste Generation von Lidar. Dies kostet 75% weniger als Standardsensoren auf dem Markt. Das hybride Lidarverfahren ist ein neues Konzept, das die Vorteile der beiden Verfahren ToF und PV kombiniert und damit sehr einzigartig auf dem Markt ist. Es wurden mehrere Patente angemeldet.

NAVENTIK GmbH

NAVENTIK ermöglicht die Satellitennavigation für automatisiertes Fahren mit PATHFINDER, einem GNSS- Empfänger-Framework, das in das Fahrzeugsteuergerät integriert werden soll. Sie unterbrechen den Markt für Hardware-GPS-Empfänger mit einer skalierbaren, softwarebasierten Lösung.

Neben der Vorstellung im sieben-minütigen Pitch-Format waren die Unternehmen mit einem Messe-Stand vertreten und somit jederzeit präsent für Gespräche mit PartnerInnen, potenziellen InvestorInnen oder das Networking untereinander. Den Preis für den besten Pitch hat sich in für die HighTech Venture Days 2019 Tobias Maarten von Dimenco gesichert.

HighTech Venture Days 2019
Dimenco aus den Niederlanden schafft multisensorische, immersive Erfahrungen ohne Wearables für Visualisierung und interaktive Unterhaltung, wir nennen das Simulierte Realität (SR). (Quelle: HighTech Startbahn, Foto: BLEND3)

Technologie for Future – Warum auch VC’s anfangen müssen umzudenken

In Ihrer Begrüßungsrede legte Bettina Voßberg besonders viel Wert darauf, den BesucherInnen deutlich zu machen, wie die Zukunft von VC’s aussehen wird. Hierfür hat das Team eine Menge interessanter Daten recherchiert. Bisher fließen aus Sicht der VC’s in erster Linie wirtschaftliche Faktoren in die Bewertung von Startups und Wachstumsunternehmen ein. In Zukunft werden diese jedoch von sozial-ökonomischen Faktoren verdrängt. Der Trend heißt: SRI – Social Responsible Impact Investment. Statt „Discount Rate“ und „Turnover“, werden VC’s wohl in der Zukunft über „Sustainability“ sowie „Social-“ und „Enviornmental-Impact“ sprechen. Seit 2017 wurden bereits mehr als 25% des Kapitals in den United States unter Berücksichtigung von SRI-Strategien investiert. Die Rede ist hierbei von schätzungsweise 12 Billionen US Dollar. Ecological Awareness kreiert in diesem Fall also Wert!

„Dieser Trend wird nicht zuletzt von der jungen Generation vorangetrieben, die heute für unsere Zukunft auf die Straße gehen.“, erklärt Bettina Voßberg im Gespräch mit Startup Mitteldeutschland. „Am Ende des Tages kommt es darauf an, dass diese Generation auch bereit ist, anders zu leben als die vorherige.“

HighTech Venture Days 2019
Bettina Voßberg spricht in ihrer Eröffnungsrede über die aktuellen Themen, die VC’s und Startups in den kommenden Jahren bewegen werden. (Quelle: HighTech Startbahn, Foto: BLEND3)

Ein eindeutiges Indiz hierfür ist zweifellos der Trend des „Sharings“. Dieser ist auch in zahlreichen weltweit agierenden Unternehmen wie airbnb oder Uber zu beobachten. Die kommende Generation tauscht bewusst Besitz gegen Teilen ein, indem sie sich damit zufrieden gibt, Dinge zu benutzen anstatt sie zu besitzen. Auch die HighTech Venture Days wollen sich in den nächsten sieben Jahren mehr auf diesen Trend konzentrieren. Schon in diesem Jahr sind 24 der 40 Jungunternehmen von SRI-Faktoren motiviert, und setzten sich mit ihrem Geschäftsmodell aktiv für eine bessere Zukunft ein.

Wir sind gespannt was die nächsten Jahre #HTVD bringen.

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