Die Förderung von Startup-Spirit und Vielfalt – Ein Gastbeitrag von The Leipzig Glocal

Die KandidatInnen bei der “Saxony Elects” Debatte am 12. August 2019 im Basislager. Von Links: Friedrich Vosberg (FDP), Petra Cagalj-Sejdi (Grüne), André Soudah (Freie Wähler), Marco Böhme (Die Linke), Holger Mann (SPD), and Karsten Albrecht (CDU). (Photo: ARBEIT UND LEBEN Sachsen e.V.)

Am 12. August hat das Basislager Leipzig VertreterInnen der lokalen Politik eingeladen, um über den Startup-Spirit der Region zu sprechen. Unsere Kollegen von The Leipzig Glocal haben die Diskussion zusammen gefasst. Im Hinblick auf die Landtagswahlen am 01. September und als Ergänzung zu unserem letzten Beitrag, möchten wir diesen noch mit euch teilen. 

Ein Gastbeitrag von Elisabeth Winkler / The Leipzig Glocal 

Am Montag, den 12. August, um 19 Uhr begann sich das Basislager mit Menschen zu füllen. Sie kamen, um die lokalen KandidatInnen für die sächsische Landtagswahl über ihre Pläne für die nächste Legislaturperiode sprechen zu hören. Die Leipziger Glocal und Arbeit und Leben Sachsen hatten sie zu einer Diskussion eingeladen. Darüber, den Startup-Spirit und Unternehmertum zu fördern und Sachsen zu helfen, vielfältiger und offener zu werden.

Zur Debatte „Sächsische Wahlen“ wurden Kandidaten aus allen demokratischen Parteien eingeladen.  Folgende sechs nahmen teil: Karsten Albrecht (CDU), Holger Mann (SPD), Petra Cagalj-Sejdi (Grüne), Marco Böhme (Die Linke), Friedrich Vosberg (FDP) und André Soudah (Freie Wähler).

Beseitigung von Hürden für das Unternehmertum

Moderator Dr. Harald Köpping Athanasopoulos begann die Diskussion mit einem Hinweis auf die vergleichsweise niedrige Gründungsrate in Sachsen und fragte die Kandidaten, ob Fehler gemacht wurden und wie diese behoben werden könnten.

„Die wichtigste Antwort auf die Frage „Haben wir Fehler gemacht?“ ist ja.“, antwortete Albrecht, dessen Partei derzeit gemeinsam mit der SPD regiert.

Er fuhr fort, dass es immer Raum für Verbesserungen gebe, aber auch viele Fortschritte seien bereits erzielt worden. Unterstützt wurde Albrecht von Mann, der auf die Verbesserung der Gründungsfinanzierung in Sachsen hinwies und sich auf „Gründer-BAföG“, „InnoStartBonus“ und „Gründerpreis“ bezog.

Gegenwind von der Opposition

Getreu ihrer Rolle als Opposition sahen die anderen Kandidaten das etwas kritischer. Sie alle wollen bürokratische Hürden abbauen, damit die Menschen nicht von Anfang an entmutigt werden, wenn sie versuchen, Mittel oder andere Unterstützung zu erhalten.

Vosberg von der FDP plädierte besonders leidenschaftlich dafür, Unternehmertum schon in der Schule zu fördern und den SchülerInnen echte Vorbilder zu geben.

„Man sollte ihnen beibringen, dass es im Leben nicht darum geht, einen sicheren Arbeitsplatz zu haben, sondern einen eigenen Weg zu wählen, auch wenn er mit einem gelegentlichen Misserfolg gepflastert sein könnte“, sagte er.

Das mag gut klingen, aber die Aussage stinkt nach Anspruch für jeden, der sich jemals Sorgen machen mussten, seine Rechnungen bezahlen zu können. Böhme von Die Linke reagierte entsprechend und schlug ein soziales Sicherheitsnetz für Selbständige vor.

Soudah, selbst Gründer zweier Unternehmen, sieht die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als ausreichend an. Für ihn geht es um Mentalität und die Bereitschaft, Risiken einzugehen:

„Man muss eine Idee haben, und dann muss man einfach anfangen!“

Sejdi fügte hinzu, dass die Unterstützung durch das Jobcenter oft unzureichend sei, weil die Mitarbeiter dort nicht ausreichend in diesem Bereich geschult seien.

Als der Moderator fragte, wie ländliche Gebiete für Gründer attraktiver werden könnten, waren sich alle Parteien einig. Es sei notwendig, die Infrastruktur in diesen Gebieten zu verbessern, wobei der Schwerpunkt auf Internet und Mobilität gelegt werden sollte.

Der Wendepunkt

Obwohl es sich um ein Gremium von PolitikerInnen handelte, war die Diskussion bis zu diesem Punkt bemerkenswert zivilisiert und zahm verlaufen. Niemand unterbrach den anderen, niemand war besonders höhnisch oder verließ gar den Raum. Als sich die Fragen jedoch dem Thema Wanderarbeiter in Sachsen zu wandten, konnte man spüren, dass die Diskussion in eine emotionalere Ebene vorgedrungen war.

Albrecht war der Erste, der für gemischte Reaktionen sorgte, als er gönnerhaft die Notwendigkeit verkündete, Migrantenfirmen zu helfen, die Qualität ihrer Arbeit auf deutsche Standards zu erhöhen. Die Bemerkung brachte ihm einige ungläubige Blicke aus dem Publikum ein.

Unterstützung von GründerInnen mit Migrationsgeschichte in Sachsen

9,5 Prozent der in Leipzig lebenden Menschen sowie 9,5 Prozent aller Selbständigen in Leipzig sind MigrantInnen. Auch wenn MigrantInnen in vielen Bereichen unterrepräsentiert sind, sind sie das nicht in der Startup- und Entrepreneurship-Szene. Als der Moderator darauf hinwies, führten die Kandidaten das schnell auf die Arbeitsmoral, die Risikobereitschaft und den allgemeinen Mut der MigrantInnen zurück und sagten, dass die Deutschen in dieser Hinsicht etwas von ihnen lernen könnten.

Obwohl dieses Argument zutreffend sein mag, ignoriert es die schwierige Realität, mit der MigrantInnen in diesem Land konfrontiert sind. Aufgrund von Sprachbarrieren und fehlendem Netzwerk ist die Selbständigkeit sehr oft die einzige Möglichkeit, Arbeit zu finden. Und das ist noch nicht alles: Ihre Abschlüsse werden hier oft nicht anerkannt. So sehen sich hochqualifizierte Menschen dabei, einen Gemüseladen zu eröffnen, weil es einfacher ist, als mit dem bürokratischen Aufwand umzugehen.

Die Sache mit dem strukturellen Rassismus in Sachen

Böhme und Sejdi sprachen auch über den strukturellen Rassismus, der in Sachsen gedeihen durfte, wobei Politiker entweder nicht in der Lage oder nicht bereit sind, sich gegen Pegida & Co. zu wehren.
Albrecht vertrat hierbei die Meinung, dass eine stärkere Polizeipräsenz Menschen mit Migrationshintergrund in Sachsen mehr Sicherheit vermitteln würde. Als er mit der Tatsache konfrontiert wurde, dass sich nicht jeder sicher fühlt, wenn er die Polizei sieht, schien er sichtlich überrascht.

Mann betonte vor allem die Bedeutung der Integration von Migrantenkindern. Sejdi wies darauf hin, wie wichtig es sei, die Ausbildung von Lehrlingen für Migrantenunternehmen attraktiver zu gestalten. Böhme schlug ein anonymes Bewerbungsverfahren für Ausbildungsplätze vor, damit SchülerInnen mit Migrationshintergrund nicht benachteiligt werden.

Elisabeths Fazit

Als die Diskussion beendet war und die Gruppe sich auflöste, brummte mein Kopf noch immer von dem, was ich gehört hatte.

Ich hatte das Gefühl, dass die Oppositionsparteien konkretere Ideen hatten, wie man die derzeitigen Bedingungen für Startups mit und ohne Migrationsgeschichte verbessern könnte. Aber so gut ihre Ideen auch erscheinen mögen, niemand weiß, wie gut sie umgesetzt werden. Ich schätze, wir können nur abwarten und sehen. Nachdem wir abgestimmt haben, natürlich.

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