Design Thinking: Chance für Innovationen – Interview mit Jennifer Pauli

Jennifer Pauli ist als freiberufliche Innovationsberaterin und „Agile Facilitator“ tätig, um das nutzerzentrierte Denken wieder mehr in den Mittelpunkt zu stellen und Innovationen zu fördern.

Im Gespräch mit Jennifer Pauli, Coach für Design Thinking beim Weinberg Campus Accelerator, erklärt die Innovationsberaterin was sich eigentlich genau hinter diesem Begriff versteckt und warum gerade Startups davon profitieren können. Als Coach für Design Thinking unterstützt sie seit Jahren Unternehmen dabei, NutzerInnen in den Mittelpunkt zu stellen und für sie einen echten Mehrwert des Produktes oder der Dienstleistung zu erzielen. 

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Design Thinking ist für viele ein Mysterium. Wie bist du zu diesem Thema gekommen?

Ich bin zufällig zu Design Thinking gekommen. Ich saß in einer Mitfahrgelegenheit von Berlin nach Jena. Die Fahrerin hat gerade diese Weiterbildung in Potsdam gemacht und davon erzählt. Dann bin ich zum Tag der offenen Tür gegangen und war sofort begeistert. Ich wollte etwas ganz anderes machen als an der Uni. Mein kreativer Geist hat sich dort einfach wohlgefühlt.

2013 habe ich dann an der School of Design Thinking eine akademische Weiterbildung absolviert und gebe heute mein Methodenwissen weiter und entwickle Innovations- oder Produktentwicklungsprozesse für Teams und Unternehmen auf Basis des Design Thinking Ansatzes.

„Ziel von Design Thinking ist es, […] Chancen für Innovationen zu erkennen […]“

Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff?

Design Thinking ist kurz gesagt, ein nutzerzentrierter Innovationsprozess, bei dem interdisziplinäre Teams durch diesen Prozess geführt und alle Beteiligten dabei unterstützt werden, dem ergebnisoffenen Prozess zu vertrauen, sodass am Ende ein erfolgreiches Ergebnis entsteht.

Ziel von Design Thinking ist es, durch den zeitlich eng getakteten Prozess und die systematische Interaktion mit den NutzerInnen, Chancen für Innovationen zu erkennen und Produkte oder Services zu entwickeln, die einen realen Mehrwert für die NutzerInnen liefern oder ein konkretes Problem lösen.

Das klingt wahnsinnig vielversprechend! Warum sollten deiner Meinung nach, Unternehmen oder Startups einen Design Thinking Prozess durchlaufen?

Unser Hirn ist darauf gepolt, sofort in Lösungen zu denken. Das führt aber nicht immer zum Ziel, vor allem wenn man Probleme lösen will, die man selbst nicht hat. Design Thinking gibt die Chance, erst einmal zu verstehen, wie die Welt aller Beteiligten, NutzerInnen und Betroffenen eigentlich aussieht. Es geht darum, Empathie aufzubauen, zuzuhören und durch eine gute Diagnose-Phase in der Lösungsentwicklung schneller und innovativer zu sein.

Durch Design Thinking lernen Unternehmen ihre externen und internen Nutzer:Innen besser kennen und können passgenauer Lösungen entwickeln. Beliebte Themen sind zum Beispiel: Intranet-Einführung, Produktportfolio erweitern, Meetingkultur neu gestalten, Entwicklung digitaler Services oder auch das Reagieren auf aktuelle Trends wie z.B. autonomes Fahren, Smart Home oder Connected Devices. 

Ein weiterer Vorteil von Design Thinking Prozessen ist, dass oft Mitarbeitende aus unterschiedlichen Abteilungen das erste Mal zusammenarbeiten. Der Informationsfluss im Unternehmen wird damit nachhaltig verbessert und auch der Grundstein für crossfunktionale Zusammenarbeit gelegt.

Wie läuft ein Design Thinking Prozess eigentlich ab?

Zeitlich hängt das vom gewünschten Ziel ab, also wie elaboriert und wie oft der Prototyp am Ende getestet sein soll. Inhaltlich ist der erste Schritt immer das „Verstehen“, also die Problemanalyse aus verschiedenen Perspektiven. Sobald die spezifische Zielgruppe, deren Umwelt und das Problem klar verstanden und benannt werden können, geht es in die zweite Phase, die Lösungsfindung. Dazu gehören auch Prototyping und Testing. 

„Der Transfer von Lösungen aus einem intensiven Design Thinking Sprint in den Alltag ist eine ganz besondere Herausforderung.“

Ist es mit einem Design Thinking Prozess schon getan? Oder muss man daran kontinuierlich arbeiten?

Design Thinking kommt mit einem sehr agilen Mindset. Wenn das im Unternehmen etabliert werden soll, reicht das Einführen von neuen Methoden, wie Design Thinking, nicht aus. Das sollte mit einem ganzheitlichen Veränderungsprozess und Kulturwandel einhergehen. Der Transfer von Lösungen aus einem intensiven Design Thinking Sprint in den Alltag ist eine ganz besondere Herausforderung. Hier ist es wichtig, bereits im Design Thinking Prozess die entsprechenden Fachabteilungen oder mit der Umsetzung beauftragen Beteiligten einzubeziehen, um Veränderungen so nahtlos implementieren zu können.

„Wer sich für seinen ersten Prototyp nicht schämt, testet nicht zeitig genug.“

Wieso können gerade Startups von Design Thinking profitieren?

Startups empfehle ich, am Anfang sehr stark mit Design Thinking zusammenzuarbeiten, das Nutzerfeedback immer im Kopf zu haben und am besten auch Personas zu definieren. Es ist wichtig, sich immer wieder zu fragen „Für wen ist unser Produkt/Service?“,  „Welchen Mehrwert generieren wir für unsere NutzerInnen?“ oder „Was würde unser/e Nutzer:In dazu sagen?“ Frühzeitig, Feedbackschleifen zu etablieren, kann viel Zeit und auch monetäre Ressourcen sparen.

Entsprechend dem Design Thinking Mindset sagt man „Wer sich für seinen ersten Prototyp nicht schämt, testet nicht zeitig genug.“  Genau das ist es, was ich allen Startups mit auf den Weg geben will. Seid bereit, gemeinsam mit euren Nutzer:Innen zu lernen!

Hast du noch weitere Tipps, die du Gründer:Innen auf den Weg geben möchtest?

Ja, auf jeden Fall. Meine Tipps sind: 

  • Seid euch bewusst, dass ihr falsch liegen könnt, was aber kein Nachteil, sondern ein Vorteil ist, denn so könnt ihr lernen und noch besser werden. 
  • Bleibt neugierig.
  • Lasst Perfektion nicht die Oberhand gewinnen. 
  • Traut euch, so zeitig wie möglich zu testen und alles, was möglich ist über eure Zielgruppe zu erfahren (gilt für B2B genauso wie B2C).
  • Habt Spaß!

Zur Person

Jennifer Pauli ist als freiberufliche Innovationsberaterin und „Agile Facilitator“ tätig, um das nutzerzentrierte Denken wieder mehr in den Mittelpunkt zu stellen und Innovationen zu fördern. Sie entwickelt Workshops für große Unternehmen und Startups und hilft ihnen bei Themen wie Innovations-, Strategie- oder Teamentwicklung.

Mehr Infos über Jennifer und ihre Arbeit gibt es hier:

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