Der IQ Innovationspreis Mitteldeutschland 2019 – Innovationen aus dem Herzen Deutschlands

IQ Innovationspreis Mitteldeutschland 2019, Gesamtsieger: Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie e. V. – Hans-Knöll-Institut (HKI) aus Jena in Kooperation mit dem Klinikum der Universität München (LMU), der HAPILA GmbH aus Gera mit den Preisstiftern IHK Halle-Dessau, IHK zu Leipzig und IHK Ostthüringen zu Gera; (v.l.) Reinhard Schröter (IHK Halle-Dessau), Kristin Kirmße (HAPILA GmbH), Dr. Florian Kloß (Leibniz HKI), Dr. Julia Dreisbach (Klinikum der Universität München (LMU), Almut Weinert (IHK Ostthüringen zu Gera), Dr. Gert Ziener (IHK zu Leipzig) (Bildnachweis: Guido Werner/GWP)

Vor kurzem sind die Preisträgerinnen und Preisträger des 15. IQ Innovationspreis Mitteldeutschland 2019 im Paulinum der Universität Leipzig ausgezeichnet worden. Den Gesamtpreis für die beste Innovation ging nach Thüringen, für eine neu entwickelte Prüfsubstanz mit der Bezeichnung BTZ043, die gegen multiresistente Formen des Tuberkulose-Erregers vorgeht. 

Mit dem IQ Innovationspreis Mitteldeutschland fördert die Europäische Metropolregion Mitteldeutschland seit 15 Jahren neuartige, marktfähige Produkte, Verfahren und Dienstleistungen in fünf branchenspezifischen Clustern. In der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland engagieren sich strukturbestimmende Unternehmen, Städte und Landkreise, Kammern und Verbände sowie Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit dem gemeinsamen Ziel einer nachhaltigen Entwicklung und Vermarktung der Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kulturregion Mitteldeutschland. Seit 2005 wurden 1.908 Projekte eingereicht, 148 Preisträgerinnen und Preisträger ausgezeichnet, 224 Jurysitzungen abgehalten und insgesamt 1.119.5000 Euro Preisgelder ausgezahlt.

Neuer Tuberkolose-Wirkstoff mit 15. IQ Innovationspreis Mitteldeutschland ausgezeichnet

Für die Entdeckung und Entwicklung einer neuen Wirkstoffklasse gegen multiresistente Formen des Tuberkulose-Erregers wurde das Jenaer Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut – mit dem Gesamtpreis des 15. IQ Innovationspreis Mitteldeutschland ausgezeichnet. Das Wissenschaftler-Team erhielt die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung am Donnerstagabend in Leipzig.

„Der neue Wirkstoff gegen multiresistente Formen der Tuberkulose gibt Millionen Menschen weltweit, die von der gefährlichen Infektionskrankheit bedroht sind, eine hoffnungsvolle Perspektive. Gleichzeitig ist seine Entwicklung ein deutschlandweit einzigartiges Gemeinschaftsprojekt von Wissenschaftlern und Unternehmen, das erst durch die öffentliche Finanzierung durch das Bundesforschungsministerium und den Freistaat Thüringen möglich wurde. Dieses Modell könnte zum Vorbild bei der Entwicklung neuer Medikamente besonders für ärmere Regionen der Welt werden“, begründet Jörn-Heinrich Tobaben, Geschäftsführer der Metropolregion Mitteldeutschland Management GmbH, die Entscheidung der Jury.

Der Gesamtpreis des IQ Innovationspreis Mitteldeutschland wird gemeinsam von den Industrie- und Handelskammern aus Halle-Dessau, Leipzig und Ostthüringen gesponsert. Neben der Auszeichnung wurden im Rahmen der Preisverleihung im Paulinum – Aula und Universitätskirche St. Pauli der Universität Leipzig fünf Clustersieger sowie die Gewinner der lokalen IQ-Wettbewerbe Halle (Saale), Leipzig und Magdeburg präsentiert:

Cluster Automotive: DENKweit GmbH, Halle (Saale)

Die DENKweit GmbH, eine Ausgründung der Fraunhofer Gesellschaft, ist ein junges Unternehmen aus Halle an der Saale. DENKweit verknüpft innovative Sensorik mit modernen eigenen maschinenlernenden Algorithmen zur Datenauswertung. Damit schafft sie einzigartige Lösungen für komplexe Probleme in den Bereichen Solarenergie und Automotive mit starkem Fokus auf klare Antworten und einfache Anwendbarkeit.

Cluster Chemie/Kunststoffe: METROM Mechatronische Maschinen GmbH, Hartmannsdorf

Die additive Fertigung von Prototypen und Kleinserien, umgangssprachlich als „3D-Druck“ bekannt, ist längst Realität in vielen Branchen, vom Werkzeug- und Maschinenbau bis zur Medizintechnik. Doch die Technologie weist auch Nachteile auf: Die Druckgeschwindigkeiten sind niedrig, die eingesetzten Filamente teuer und die notwendige Nachbearbeitung aufwändig. Neue Perspektiven für die additive Fertigung eröffnet das gemeinsam von der METROM GmbH aus Hartmannsdorf und dem Fraunhofer IWU entwickelte SEAM-Verfahren (Screw Extrusion Additiv Manufacturing).

Cluster Energie/Umwelt/Solarwirtschaft: EcoSyst GmbH, Chemnitz

Eine innovative Lösung für Umwelteffiziente Klimaanlagen hat die Chemnitzer EcoSyst GmbH entwickelt. Den Kern der Innovation bildet eine Trägerplatte aus Kalziumsilikat, die dank ihrer hygroskopischen Wirkung große Mengen Luftfeuchtigkeit bindet. Auf der Trägerplatte wird die Kapillarrohrmatte mit einem Lehmkleber fixiert. Das komplette Klimaelement wird an der Raumdecke installiert und mit Lehmputz überzogen. Aufgrund der zahlreichen Kapillaren verfügt das System über eine große Oberfläche zur Energieabgabe. Dadurch können Räume mit einer Wassertemperatur von 17–22 Grad energieeffizient und gleichmäßig gekühlt werden.

Cluster Informationstechnologie: specOculus GmbH, Magdeburg

Spektrale Oberflächenanalysen auf jedem Smartphone ohne zusätzliche Messgeräte ermöglicht das Verfahren der Magdeburger specOculus GmbH, das auf der vom Fraunhofer IFF entwickelten Technologie HawkSpex® Mobile basiert. Dabei wird der Gegenstand über das Display des Smartphones nacheinander in den drei Grundfarben Rot, Grün und Blau beleuchtet. Die Frontkamera erfasst simultan das reflektierte Licht in diesem schmalen Spektralbereich. Ein neu entwickelter, selbstlernender Algorithmus analysiert auf Basis von statistischen Referenzdaten das jeweilige Lichtspektrum. So lassen sich etwa nachlackierte Karosserieteile an Autos entdecken, der Frischegrad von Lebensmitteln bestimmen und anhand einer Hautanalyse Empfehlungen für den richtigen Sonnenschutzfaktor geben.

Cluster Life Sciences: Zellkraftwerk GmbH, Leipzig

Die Leipziger Zellkraftwerk GmbH ermöglicht mit ihrer einzigartigen Technologieplattform „ChipCytometry“ die automatisierte und hochgenaue Gewebe- und Zellanalytik. Möglich macht dies ein neuartiger mikrofluidischer „ZellSafe“-Chip, in dem die Zellprobe bis zu 24 Monate stabil fixiert und gelagert wird. Die verwendeten Fluoureszenzfarbstoffe lassen sich „ausbleichen“, wodurch die gleiche Probe zyklisch auf über 100 Biomarker untersucht werden kann. Dabei ermöglicht die Innovation auch die Analyse von Gewebe, roten Blutkörperchen und seltenen Zellen in bislang unerreichter Qualität

Folgende Unternehmen wurden außerdem mit einem jeweiligen Städtepreis ausgezeichnet:

IQ Innovationspreis Leipzig: Universitätsklinikum Leipzig, Next3D

Die vom Universitätsklinikum Leipzig und dem Fraunhofer IWU entwickelte Technologieplattform Next3D ermöglich den Druck von Instrumenten oder Implantaten aus dem 3D-Drucker in nur 24 Stunden. Möglich wird dies durch eine softwaregestützte Prozesskette, die ärztliches Know-how und automatisierte Prozesse miteinander vereint und bereits in zwei Produkten mündete.

IQ Innovationspreis Halle: DENKweit GmbH

Für ihre Lösung zur Messung der Stromstärke und -richtung in elektrischen Bauteilen wurde die DENKweit GmbH aus Halle (Saale), sowohl mit dem Clusterpreis Automotive als auch dem lokalen IQ Innovationspreis Halle ausgezeichnet. Denn mit der selbstlernenden Anomalieerkennung, die Abweichungen im Magnetfeld identifiziert und dadurch die genaue Lokalisation von Defekten im Bauteil ermöglicht, werden gleich mehrere Wachstumsmärkte adressiert.

IQ Innovationspreis Magdeburg: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Easy Jector

Einen revolutionär neuen Ansatz im Bereich des Kontrastmitteleinsatzes bei MRT Untersuchungen, realisiert der Easy Jector. Die Innovation wurde durch das INKA-Team der Otto-von-GuerickeUniversität Magdeburg entwickelte. Das kleine und leichte Gerät verzichtet auf magnetische Bauteile wie Pumpen und kann so vom Patienten am Arm und in unmittelbarer Nähe zum MRT getragen werden.

Insgesamt 70.000 Euro Preisgeld

Der 15. IQ Innovationspreis Mitteldeutschland ist mit Preisgeldern von rund 70.000 Euro dotiert. Diese werden durch das Engagement zahlreicher Sponsoren ermöglicht: Detaillierte Informationen hierzu findest du hier. Impressionen von der Preisverleihung in Form einer Bildergalerie gibt es hier.