Dashbike – Mehr Sicherheit für Radelnde im Straßenverkehr

Die Dashbike-Cam verschafft Radfahrenden mehr Sicherheit auf den Straßen. (Foto: Dashbike)

Autos auf der Überholspur ohne Mindestabstand sind für Radfahrer:innen im Straßenverkehr ein echtes Risiko. Das Startup Dashfactory aus Jena möchte in diesen Situationen mit ihrer Dashbike für mehr Sicherheit für Radelnde sorgen. Die Dashbike ist die erste rechtskonforme Dashcam für Fahrräder in Deutschland. Mithilfe von moderner Technologie zeichnet sie nur auf, wenn der Mindestabstand nicht richtig eingehalten wird. Gestartet ist das Gründer-Duo Sandro Beck und Lelia König mit Architekt und Designer Aaron Beck. Mittlerweile entwickelt ein 15-köpfiges Team die Dashbike. 

Die Crowdfunding-Kampagne generierte unglaubliche 86.484 Euro. Nun wird das Produkt zunächst im Online-Shop, später auch im Fahrrad- und Elektronikfachhandel für alle Radtypen erhältlich sein. 

Das Problem mit der Rechtskonformität

Nachdem Gründer Sandro zum Studium nach Jena gezogen war, ist er relativ schnell vom Mountainbike auf das Rennrad umgestiegen. Allerdings störte ihn beim Fahren das aggressive Überholverhalten der Autofahrer:innen so sehr, dass er bereits 2018 auf die Idee kam, sich eine GoPro zuzulegen, um dieses Verhalten aufzuzeichnen. Doch das deutsche Gesetz machte ihm hier einen Strich durch die Rechnung: Da Kameras wie diese dauerhaft aufzeichnen, sind sie nicht rechtskonform – vor Gericht haben diese Aufnahmen also keinen Bestand.

Wie schwer so ein Rechtsstreit verlaufen kann, wenn es zu einem Unfall kommt, das musste eine gute Freundin von Gründerin Lelia am eigenen Leib erfahren. Sie wurde von einem Bus angefahren, sodass sie nun komplett neu gehen lernen muss. Der Richter zweifelte an ihrer Unschuld, weshalb der juristische Prozess in ihrem Fall bis heute andauert. Angetan von dem Konzept einer Dashcam für Radfahrer:innen beschlossen Sandro und Lelia eine rechtskonforme Lösung zu entwickeln: 

„Wir haben uns gedacht: Das versuchen wir doch einfach selbst!“, grinst Sandro.

So entstand 2019 das Projekt Dashbike. 

Vom Prototyp in der Tupperdose zur rechtskonformen Dashcam 

Relativ schnell bekamen Lelia und Sandro dabei Unterstützung. Als die beiden zufällig auf die „Technology Fight Night“ in ihrer Studienstadt Jena aufmerksam wurden, präsentierten sie kurzentschlossen ihre Idee und waren überrascht von der positiven Rückmeldung. Die Uni Jena selbst kam auf sie zu, um das Projekt zu unterstützen.

Das Gründer-Duo hinter Dashbike: Sandro Beck (links) und Lelia König (rechts).

Anfangs bastelten Lelia und Sandro die Kameras noch selbst, danach arbeiteten sie mit Elektroniker:innen und Softwareleuten aus ihrem Freundes- und Familienkreis zusammen. Anfang 2019 war es dann so weit, dass ein Prototyp in der Tupperdose zustande kam, den das Gründer-Duo den Investor:innen präsentieren konnte. So bestand von Tag eins an der direkte Kontakt zu Kevin Reeder, Geschäftsführer der beteiligungsmanagement Thüringen GmbH (bm-t), welchen sie während der Jenaer Technology Fight Night 2018 kennenlernten.

Qualität made in Leipzig

Mittlerweile ist aus dem Prototyp ein marktfähiges Produkt geworden. Damit die Radfahrer:innen schneller gesehen werden, sich im Schadensfall absichern können und die Gefahrenstellen ermittelt werden können, soll eine Sicherheitskamera in Kombination mit einem Tagfahrlicht die Lösung sein. Die Dashbike nimmt dann auf, sobald Autos das Fahrrad zu nah, ohne Sicherheitsabstand, überholen. Eine Rechtsanwältin sicherte die „rechtliche Verwertbarkeit“ des Materials im Schadensfall ab. Nun ist das Produkt in den letzten Zügen und wird voraussichtlich Anfang 2022 zunächst im Online-Shop, später auch im Fahrrad- und Elektronikfachhandel für alle Radtypen erhältlich sein.

Die Standardkomponenten der Dashbike setzen sich aus einer Sicherheitskamera und einem Tagfahrlicht zusammen. Das Gerät wird mit einem Klicksystem unter dem Sattel befestigt, das jede:r selbstständig zu Hause montieren kann. 

Gründen mit Studierendenstatus in Jena

Als Entwicklungsort haben sich Lelia und Sandro Leipzig ausgesucht, eine Stadt die in ihrem Nachhaltigkeitskonzept ein besonderes Augenmerk auch auf die Fahrradmobilität legt. Sie eignete sich perfekt zum Entwickeln und Konstruieren des langlebigen Produktes. Gegründet haben sie aber in Jena. Abende wie die Technologie Fight Night haben das Leben von Sandro und Lelia zweifelsohne verändert. Solche Veranstaltungen seien in Thüringen zwar stets gut organisiert, aber mit einem Mal im Jahr relativ selten. Dennoch würden die beiden Startup Veranstaltungen wie die Investor Days Thüringen sowie die bm-t und das Thüringer Zentrum für Existenzgründungen und Unternehmen (ThEx) als Ansprechpartner zu den Themen Gründung und Finanzierung empfehlen. 

Eine Hürde bei der Gründung stellte zunächst ihr Studierendenstatus dar.

„Leider war unser Studentenstatus eine Hürde bei Finanzierung. EXIST hat das Projekt aus diesem Grund zunächst abgelehnt, da das dritte Semester einfach zu weit vom Studienabschluss entfernt war. Wir ziehen daraus das Fazit, dass aus der Uni heraus zu gründen erst am Ende des Studiums sinnvoll ist.“, erzählt die Gründerin Lelia.

Die beiden hatten jedoch Glück, da der Gründerservice der Universität Jena dennoch alles getan hat, um das Projekt zu unterstützen. 

„Dashbike wird nicht das einzige Produkt bleiben“

Die Technologie der Dashfactory ist auch auf andere Anwendungsgebiete wie Straßenbahn, die Planung von Infrastruktur, E-Roller und Quads anwendbar. So entstand auch die Urban Data Plattform Dashtrack – ein Pilotprojekt mit der Stadt Leipzig. Gemeinsam mit der sächsischen Großstadt will das Gründer-Duo die Radinfrastruktur effizient weiter ausbauen.

Dafür ist die Dashbike ein geschicktes Tool, um Gefahrenstellen mit anonymen Sensordaten zu ermitteln. Im ersten Schritt werden von September 2021 bis Juli 2022 mit 200 Testfahrenden kritische Punkte identifiziert. Auch die ersten europäischen Städte kommen sukzessive dazu. Die Gründer:innen sind sich sicher, dass sich mit dem Laufe der Zeit noch mehr Business Cases ergeben werden. Vorerst konzentriert sich das Jenaer Startup allerdings auf die Dashbike. 

Prioritäten richtig setzen

Lelia erzählt, dass ihr momentaner Fokus auf Dashbike liegt und sie das Radfahren etwas zurücksteckt.

„Es ist aber auch einfach anderes Arbeiten. Die Motivation ist ganz anders, wenn man es für sich selbst macht. Oft arbeite ich stundenlang und sehe dabei nicht einmal auf die Uhr.“

Als bereichernd findet sie vor allem den Fakt, etwas selbst umzusetzen, zu planen und sich Gedanken zu machen. Dies ist, vor allem in Hinblick auf ihre Ausbildung als Bankkauffrau bei der alles vorgegeben ist, ein riesiger Unterschied.

Auf unsere Frage, was die beiden tun würden, wenn sie mit der Zeit zurückreisen könnten, geben sie zu, dass sie anfangs viele Fehler gemacht haben.

„Das liegt aber auch daran, dass man eine Unternehmerpersönlichkeit zu sein erst lernen muss, ebenfalls wie man sich gegenüber Investoren verhält. Da muss man seine Idee offen kommunizieren und darf keine falsche Schüchternheit an den Tag legen. Ich glaube, wir hätten viel Arbeit gespart, wenn wir unsere Idee noch mit viel mehr Leuten durchgesprochen hätten“.

Dennoch sollte man selektiv sein. Die richtigen Leute aus dem Netzwerk seien ein wichtiger Ansprechpartner. Andere, etwa solche mit einem festen Job, sehen das ganze meist kritisch und komplizierter als es im Endeffekt ist. Gründerveranstaltungen, bei denen man auf Menschen treffe, die bereits ein Startup hochgezogen haben, seien die besten Veranstaltungen, da man dort mit seiner Idee gepusht werde. Je mehr Recherche betrieben und Kontakte geknüpft werden, desto geringer sei am Ende das Risiko. 

Die Vorteile des SpinLab Accelerator-Programms

Einen weiteren entscheidenden Punkt ihrer Erfolgsgeschichte sehen die Gründer:innen von Dashfactory auch beim Leipziger SpinLab.

„Die hilfreichen Workshops und die fachmännische Expertise durch Menschen aus der Praxis haben einfach einen riesigen Unterschied gemacht, um realistisch die eigenen Risiken und Chancen zu sehen. Wir sind begeistert. Dafür, dass das SpinLab Programm keinerlei Anteile am Unternehmen hat, ist es einfach nur ein Riesengewinn, den man mit diesem Programm bekommt. Wir können es allen Startups und Gründungslustigen nur ans Herz legen.“

Wenn man wisse, worauf man achten muss, sei das Gründen gar nicht so schwer. Im Endeffekt habe man auch noch viele andere Startups, die man mittags beim Kaffee um Rat fragen könne. Die Kooperation mit dem SpinLab und dem Investment durch bm-t haben sich sichtlich gelohnt: Dashfactory hat in nur sechs Monaten einen riesigen Schritt nach vorne gemacht.

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