Das erste E-Bike aus dem 3D-Drucker kommt aus Magdeburg

Urwahn Bikes Platzhirsch
Der "Platzhirsch" macht seinem Namen alle Ehre. Das Magdeburger Startup Urwahn Bikes präsentiert das erste E-Bike aus dem 3D-Drucker. (Quelle: Urwahn Bikes)

Das Magdeburger Startup Urwahn Bikes hat sich auf die Konstruktion von Stahlrahmen für Fahrräder aus dem 3D-Druck spezialisiert. Vor Ort in Magdeburg entstehen seit dem letzten Jahr Fahrräder für den urbanen Raum. Auf den „Stadtfuchs“ – ein puristisches City-Bike mit Fokus auf Funktionalität, folgt jetzt der „Platzhirsch“ – das erste E-Bike aus dem 3D-Drucker. 

Innovation mithilfe des 3D-Drucks

Vor Kurzem kündigte Sebastian Meinecke, CEO und Mitgründer von Urwahn Bikes sein neustes Produkt an. Der „Platzhirsch“ ist das erste E-Bike aus dem 3D-Drucker. Nur sechs Monate nach der Markteinführung ihres ersten Modells – dem „Stadtfuchs“ – ist es Sebastian und seinen vier Teamkollegen jetzt gelungen, den hart umkämpften Markt der E-Bikes mithilfe der 3D-Druck Technologie zu revolutionieren. Bis hierher war es jedoch ein sehr langer von Schweiß und Tränen geprägter Weg. Dieser macht sich nun aber bezahlt und die Jungs aus Magdeburg erobern mehr und mehr das urbane Fahrradsegment. 

Urwahn Bike Gründer
Die Gründer Sebastian Meinecke und Ramon Thomas haben sich im Studium beide für das 3D-Druck Verfahren begeistert. Aus einer Idee wurde einige Jahre später ein erfolgreiches Startup. (Quelle: Urwahn Engineering GmbH)

Die gesamte Baustruktur des „Platzhirschs“, der Stahlrahmen und seine besondere Form bauen auf dem Grundkonstrukt des Vorgängermodells auf. Dabei hat das Team auch für das E-Bike neben dem Design wieder besonderen Wert auf Komfort und Fahrgefühl gelegt. Der Ansatz ist humanzentriert, das Bike soll also nicht nur optisch herausstechen, sondern vor allem anwendergerecht sein. Das bedeutet konkret, dass Urwahn Bikes branchenübergreifende Innovationen adaptiert und in ihre Bikes integriert, wie z.B. unscheinbar integrierte LED-Einheiten samt GPS-Trackingsystem. Selbst der Lenker meldet sich beim Schaltvorgang mit einem haptischen Feedback beim Fahrer zurück. So profitiert der Platzhirsch von allen Alleinstellungsmerkmalen seines Vorgängers, und punktet zusätzlich mit seinem elektrischen Antriebssystem. Optisch sieht man dem Bike nicht an, dass leistungsstarke Elektronik im Stahlrahmen verbaut ist.

(Quelle: Urwahn Engineering GmbH)

Für dieses Projekt hat sich das Magdeburger Startup einen bekannten Industriepartner ins Boot geholt. MAHLE ebikemotion will den Weg für E-Bikes ebnen und stand dem Startup mit seiner Expertise in Sachen Antriebstechnik zur Seite. Der integrierte Motor, der im Stahlrahmen verbaut ist, kann im Zweifel auch wieder herausgenommen und erhalten werden. Das gehört zu dem Konzept des ganzheitlichen Produktlebenszyklus, das Sebastian Meinecke und sein Team in ihrem Startup vertreten.

(Quelle: Urwahn Engineering GmbH)

Lean-Manufacturing – Ein Schlüsselfaktor für das Tech-Startup aus Sachsen-Anhalt

Der ganzheitliche Produktlebenszyklus ist entscheidend für den Erfolg des Startups, denn die Umsetzung ist nur möglich, weil fast alle Schritte der Supply Chain in Deutschland geschehen. Das macht vor allem der 3D-Druck möglich. Sollte beispielsweise der Stahlrahmen eines Bikes Defekte aufweisen, so können diese problemlos in die Wertschöpfungskette zurückgeführt und instand gesetzt werden. Die Ausschussquote liegt hier fast bei null – ein riesiger Vorteil gegenüber der Konkurrenz die im Ausland produziert.

Das Konzept basiert auf dem Lean-Manufactoring Ansatz, der ursprünglich von Toyota stammt. Das Ziel dieses Ansatzes ist es, Produktionsprozesse zu verschlanken: Vor allem Logistik- und Kommunikationswege werden kurz gehalten. So setzt Urwahn Bikes auf das On Demand Prinzip, das bedeutet, dass nur produziert wird, was nachgefragt wird, und auch erst dann. So entstehen nur geringfügige Aufwendungen und Kosten für die Lagerhaltung und Logistik.

Darüber hinaus werden alle limitierenden Faktoren vermieden. Daher verzichten die Gründer, dem 3D-Druck sei Dank, beispielsweise auf den Einsatz von teurem Produktionswerkzeug, um stetige Änderungen in die Produktion einfließen lassen zu können. Änderungswünsche, die das Team heute erreichen, können auf diesem Weg bereits in der nächsten Woche in der Produktion berücksichtigt werden. Ein entscheidender Vorteil gegenüber der heutigen wenig flexiblen Massenindustrie.

(Quelle: Urwahn Engineering GmbH)

Das ermöglicht es Sebastian Meinecke übrigens auch, die Gesamterscheinung der Bikes individuell an seine KundInnen anzupassen. Von der Farbe bis zum persönlichen Branding, die Endmontage in Magdeburg macht dies möglich. Das Feedback sei sehr gut, Kunden nehmen Anfahrten aus ganz Deutschland in Kauf, um sich individuell von den Gründern selbst beraten zulassen, verrät er uns im Gespräch mit Startup Mitteldeutschland.

Neben der hohen Flexibilität ermöglicht die regionale Verankerung des Startups schließlich die nachhaltige Produktion und damit verbunden faire Löhne für alle Beteiligten der Supply Chain. Das alles macht Urwahn Bikes zum Vorreiter im 3D-Druck in der eigenen Branche.

3D-Druck – Eher Trial & Error als Sofort-Lösung?

Die größte Herausforderung hat Urwahn Bikes schon hinter sich. Sie haben ihre Idee nach langer Entwicklungsphase wirtschaftlich gemacht. Auch wenn der 3D-Druck hochflexibel ist, der Weg zum fertigen Produkt war lang.

„Wenn Leute vom 3D-Druck hören, dann denken viele sofort an die grenzenlose Freiheit in der Herstellung von Produkten. Leider ist dies ein Irrglaube, da es sich hierbei um einen hochtechnologischen Prozess handelt, der erst einmal beherrscht werden muss. Zu Beginn müssen erst einmal Prozesse automatisiert, Werkstoffparameter analysiert und zahlreiche Prototypen realisiert werden. Das Ganze ist bis zu einem gewissen Punkt immer ein Trial & Error Prozess“, erklärt Sebastian Meinecke, CEO und Mitgründer von Urwahn Bikes.

Wenn dieser Schritt gemacht ist, bietet der 3D-Druck jedoch gänzlich neue Möglichkeiten in der Herstellung von Produkten. Das Verfahren kommt dann ins Spiel, wenn konventionelle Herstellungsprozesse nicht mehr greifen können, denn 3D-Druck bietet mehr Freiheiten in der Komplexität von Produkten in puncto Integration, Funktion und Design. 

Der Platzhirsch ist das erste E-Bike aus dem 3D-Drucker. (Quelle: Urwahn Engineering GmbH)

Der „Stadtfuchs“ war Vorreiter auf hohem Level, denn die Arbeit, die in ihm steckt, hat die Entwicklung des E-Bikes „Platzhirsch“ beflügelt. Nur sechs Monate sind zwischen dem Launch der beiden Räder vergangen. Dies war nur möglich, weil Urwahn all seine Prozesse akribisch kontrolliert und dokumentiert. Mithilfe einer produktionsbegleitenden Software verknüpfen die Macher alle Produktionspartner lückenlos miteinander, sodass etwaige Probleme frühzeitig ausfindig gemacht und gelöst werden können. So ist es dem kleinen Kernteam gelungen die Prozesse stetig zu verbessern und das „Platzhirsch“ binnen kürzester Zeit in den Markt zu bringen.

Das steht als Nächstes auf dem Plan

Im Moment zählt Urwahn Bikes 22 Handelspartner in der DACH Region. Ihr Ziel ist es allerdings, ihre Bikes in Zukunft auch Global mithilfe von Handelspartnern fortführend zu vertreiben. Hierfür hat das Startup im vergangenen Jahr sein Netzwerk stark ausgebaut. Was jetzt noch fehlt, sind neue strategische Partner und Investoren, die dabei helfen wollen, Urwahn als Marke weiter zu etablieren und die Unternehmung zu globalisieren. 

Wer sich weiter informieren möchte, findet weitere ausführliche Beiträge über das Magdeburger Startup und den „Platzhirsch“ im Spiegel oder bei E-Bike News.

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