Cyclic Design – aber bitte Nachhaltig! Ein Interview mit Gründerin Marilu Valente

Gründerinnen Cyclic Design
Cyclic Design sind Nina Masson und Marilu Valente. Zusammen haben sie eine Mehrwegflasche entwickelt und ALDI als Partner gewonnen.

Marilu Valente und Nina Masson wollen die Verpackungsindustrie mit ihrem Design-Startup Cyclic Design ändern. Das Unternehmen hat dabei seit kurzem einen starken Partner an der Seite: die Discounter-Ketten Aldi Nord und Aldi Süd. 

Einwegverpackungen sind vielseitig einsetzbar, günstig und langlebig. Doch dank dieser Eigenschaften haben wir ein massives Problem geschaffen: Die Meere sind voller Plastikmüll, Strände sind mit Plastikflaschen überzogen, Fische fressen Mikroplastik und können dadurch auch für den Menschen schädlich sein. Wir haben Marilu Valente getroffen und mit ihr über die Herausforderungen als Gründerin, Leipzig als Gründungsort und nachhaltiges Design gesprochen.

Ein Gastbeitrag von Thi Thu Linh Pham, Univations GmbH / Investforum Startup-Service

Was genau macht Cyclic Design?

Cyclic Design ist ein Designstudio, das Unternehmen bei der Entwicklung von Produkten mit geringerer Umweltbelastung unterstützt. Konkret entwickeln wir Konzepte, visualisieren und prototypisieren Produkte, die im Kern auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind.

Von der Lebenszyklusanalyse über Skizzen bis hin zu Prototyping und Produktion decken wir ein breites Spektrum an Dienstleistungen ab, um nachhaltige Konsumgüterlösungen auf den Markt zu bringen. Unser Schwerpunkt liegt auf der Reduzierung von Verpackungsabfällen. Der von uns verfolgte Designprozess beginnt mit der Analyse des Produktlebenszyklus und führt schließlich zu einem geschlossenen Kreislaufsystem.

Du hast Architektur studiert. Wie kommt es, dass du Gründerin geworden bist?

Ich hätte nie daran gedacht, Unternehmerin zu werden, aber ich hatte schon in den ersten Jahren an der Universität eine starke Leidenschaft für nachhaltiges Design. Schon während meines Architekturstudiums habe ich Projekte entwickelt, die die Umweltbelastungen von Gebäuden mit intelligenten Technologien reduzieren. Dies führte dazu, dass ich für Siemens in London im Bereich Smart Cities arbeitete. Diese Erfahrung außerhalb der Architekturblase war toll, aber gleichzeitig ließ sie mich sehr unzufrieden zurück und dort begann meine Entschlossenheit, selbstständig zu werden. Vor vier Jahren habe ich alles hinter mir gelassen und ein neues Leben nach meinen Idealen begonnen. Am Anfang habe ich als freiberuflicher Designer für Startups und andere Unternehmen angefangen. Gleichzeitig erweiterte ich mein Netzwerk im Bereich Nachhaltigkeit durch die Teilnahme an vielen Konferenzen. Schließlich habe ich später mein eigenes Designstudio gegründet.

Marilu Valente arbeitet seit Jahren freiberuflich als Designerin. 2019 hat sie sich mit ihrem Startup Cyclic Design selbstständig gemacht.

Das erste Projekt von Cyclic Design ist eine Mehrwegflasche mit dem Namen Nepenthes. Was ist so besonders daran?

Die Mehrwegflasche habe ich circa zwei Jahre lang entwickelt. Der Name Nepenthes kommt von der fleischfressenden Pflanze Nepenthes, die die Form der Flasche inspiriert hat. Die Pflanze hat einen Hohlraum, der in einer flexiblen Wurzel endet. Ebenso verfügt die Flasche über einen flexiblen Auslauf zum Öffnen und Schließen sowie zum Aufhängen der Flasche im Bad. Die Idee dahinter: je weniger Komponenten eine Verpackung hat, desto leichter lässt sie sich recyceln. Außerdem hat die Flasche eine weite Öffnung an der Unterseite. Dadurch kann sie ganz einfach wieder aufgefüllt werden.

Die Flasche Nepenthes kann durch den großen Verschluss am Boden ganz leicht wieder befüllt werden. ©Cyclic Design

Bei Cyclic Design läuft es gerade sehr gut. Ihr habt ALDI als Kooperationspartner gewonnen. Wie ist das zustande gekommen?

Eines Tages habe ich einen Anruf vom Startup-Scout aus dem TechFounders-Programm erhalten. Sie waren auf der Suche nach innovativen Startups, die mit ihrem Handelspartner ALDI zusammenarbeiten. Zuerst hatte ich das Gefühl, dass ich nicht sehr gut für ihr Programm geeignet war, da wir uns in einer sehr frühen Phase befanden, aber am Ende haben wir jede Auswahlphase bestanden und sind schließlich in der ALDI-Zentrale in Mülheim zum Pitch gekommen. Wir haben es geschafft, den Händler davon zu überzeugen, ein Mehrwegverpackungssystem zu testen und freuen uns nun sehr über die Zusammenarbeit.

Was war deine Motivation dich mit nachhaltigen Design auseinanderzusetzen?

Mein Designprozess beginnt mit der Analyse von Umweltproblemen. Wir erzeugen jedes Jahr Millionen Tonnen Abfall, der nur teilweise verwertet wird. Kunststoffabfälle waren ein Thema, mit dem ich mich eingehend beschäftigt habe. In meiner Forschung habe ich herausgefunden, dass Verpackungen die Hauptursache für Kunststoffabfälle sind.

Der Einwegcharakter der Kunststoffverpackungen, die wir heute produzieren, ist eine der Hauptursachen für solche übermäßigen Abfallmengen. Darüber hinaus ist die derzeitige Gestaltung der Verpackung nicht auf das End-of-Life optimiert. Deshalb habe ich mich entschieden, eine neuartige Verpackung mit einer längeren Lebensdauer zu entwickeln, was bedeutet, dass man sie nach nur einem Gebrauch nicht wegwirft und gleichzeitig leichter zu recyceln ist.

Laut dem Green Startup Monitor 2019 haben es grüne Startups schwer, Investoren zu finden. Kannst du das bestätigen und was waren weitere Herausforderungen?

Ja, ich kann das bestätigen. Investoren achten hauptsächlich auf Ihre Skalierbarkeit und neigen dazu, in softwarebasierte Unternehmen zu investieren. Grüne Startups benötigen in der Regel mehr Kapital und haben höhere Risiken, so dass die Wahrscheinlichkeit, einen Investor zu finden, gering ist, insbesondere in Deutschland, wo überwiegend sichere Investitionen getätigt werden.

In meinem Fall, als ich anfing, war ich freiberuflich tätig, so dass Investoren nicht das Problem waren, sondern eher neue Kunden zu finden. Später, als ich mein eigenes Startups gründete und der Finanzbedarf größer wurde, bestand die größte Herausforderung darin, dem Investor ein solides Skalierbarkeitsmodell zu demonstrieren, aber das war in der Anfangsphase nicht so überzeugend. Daher konnte ich meine Produkte hauptsächlich nur mit staatlichen Mitteln vorantreiben, die für innovative und nachhaltige Produkte bestimmt sind. Auch eine Frau zu sein, ist eine weitere Herausforderung. Ich habe mich manchmal nicht so ernst genommen gefühlt.

Was ist deine Vision mit Cyclic Design?

Unsere Vision ist es, Einwegverpackungen durch nachfüllbare Alternativen zu ersetzen. Wir wollen dem Verpackungsmarkt weitere Mehrweglösungen anbieten. Letztendlich ist es unser Ziel, das Konsumverhalten bei Verpackungen von einer Einweggewohnheit auf eine wiederverwendbare zu verlagern. Um dies zu erreichen, wollen wir mit mehr Unternehmen zusammenarbeiten und bessere und umweltfreundlichere Konsumgüter auf den Markt bringen.

Cyclic Design hat seinen Sitz in Leipzig. Was gefällt dir an Leipzig als Gründungsstandort?

Seit ich vor etwa 3 Jahren hierhergezogen bin, fühle ich mich sehr wohl hier. Ich habe fünf Jahre in London gelebt, bevor ich nach Leipzig gezogen bin. Der Lebensstil von Leipzig war nach London genau das, was ich brauchte. London war so hektisch und oberflächlich, im Gegensatz zu dem spontaneren und zuverlässigeren Aspekt von Leipzig. Schon nach kurzer Zeit in Leipzig konnte ich ein großes Netzwerk von Menschen aufbauen, auf das ich mich verlassen konnte. Leipzig hat die perfekte Einwohnerzahl. Hier ist es nicht zu groß und gleichzeitig nicht zu klein. Du hast alle Annehmlichkeiten einer Großstadt und kannst gleichzeitig die Ruhe genießen, wann immer du willst. Ein weiterer großer Vorteil der Stadt ist die Leipziger Startup-Community. Wann immer ich Unterstützung brauche, kann ich immer die Community fragen und es gibt sehr oft jemanden, der jemanden kennt, der helfen kann.

Wie geht es in Zukunft weiter?

Im Moment bereiten wir das Produkt Nepenthes zusammen mit unserem technischen Partner TU Chemnitz zur Marktreife. Der Weg vom 3D-Druckprototyp zur industriellen Produktion ist nicht einfach und erfordert viele Tests. Wir müssen die Marktstandards für Verpackungen für Körperpflegeprodukte einhalten und die Leistung sowie Haltbarkeit des Produkts testen. Nach diesem Ziel wollen wir unsere Reichweite durch die Entwicklung eines weiteren Produkts in unserem Mehrwegverpackungsportfolio erweitern. Wir können den Starttermin von Nepenthes noch nicht bekannt geben. Dieses Jahr wird es noch nicht sein. Am besten abonniert ihr uns auf unseren Social-Media-Kanälen für neue Updates. Seid gespannt. Es werden noch einige tolle Produkte kommen.

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