Das eHealth Startup aumio in Die Höhle der Löwen

Aumio in die Höhle der Löwen
© TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Es war ein besonderer Abend für das Berliner Startup aumio. Felix Noller, Jean Ochel , Tilman Wiewinner und Simon Senkl pitchen ihre Achtsamkeits-App für Kinder in der VOX Gründershow Die Höhle der Löwen. Unsere Autorin hat sich ihren Auftritt angeschaut, und ihn für euch zusammengefasst. 

Immer mit der Ruhe

Es fühlt sich an als wäre es gestern gewesen, als die Gründer noch im SpinLab in Leipzig an ihrer App aumio gearbeitet haben. Sie waren Teil der 9. Klasse des SpinLab – The HHL Accelerator Programms in Sachsen. Jetzt verfolge ich gespannt, wie sich Aumio in Die Höhle der Löwen wohl schlagen wird.

Aumio entwickelt die erste Lern-App für die mentale Gesundheit von Kindern in Deutschland. Mit der App lernen Kinder ab 6 Jahren in kurzen Geschichten und Übungen die Welt ihrer Gefühle und Gedanken kennen. Neben praktischen Inhalten bietet die Applikation spielerisch Informationen und Aufklärung rund um die Themen mentale Gesundheit, Achtsamkeit und Wohlbefinden.

“Die psychische Gesundheit von Kindern sollte von uns als Gesellschaft deutlich mehr Aufmerksamkeit bekommen”, sagt Jean Ochel, einer der Gründer von Aumio in einem anderen Interview. “Eine Studie der DAK zeigt, dass jedes vierte Kind in Deutschland psychische Auffälligkeiten zeigt. Professionelle Hilfe erhalten nur die wenigsten. Mit der aumio-App möchten wir allen Kindern und Familien leicht zugängliche Hilfe an die Hand geben.”

Eine halbe Packung Salz-Brezeln später ist es dann so weit. Felix, Jean, Tilman und Simon schreiten durch die Tür, durch die viele GründerInnen vermutlich gerne einmal gehen würden. Sie stellen sich den LöwInnen Maschmeyer, Wöhrl, Kofler, Glagau und Dümmel. Ihr Pitch ist der letzte in der Show vom 26. April, dafür aber definitiv auch der spannendste. Normalerweise sieht man es den TeilnehmerInnen schon an, wie sie um das Interesse der LöwInnen bangen. Doch die vier Gründer aus Berlin wirken tiefenentspannt, sie beginnen ihren Pitch gelassen mit einer Achtsamkeitsübung gemeinsam mit den Löwen.

10 Prozent für 150.000 Euro

Auf die andächtige Begeisterung der Löwen folgt schnell nervöse Bewegung. Nachdem klar wird, dass aumio die DiGa Zulassung anstrebt, kommt es auch gleich zu Getuschel zwischen Nils Glagau und Carsten Maschmeyer. Auch Dagmar Wöhrl scheint interessiert. Kofler und Dümmel steigen aus, Medizinprodukte und Apps seien nicht ihr Fachgebiet. 

10 Prozent für 150.000 Euro, diesen Fleischhappen haben die Gründer der Achtsamkeits-App für Kinder den LöwInnen in den Käfig geworfen. Denen ist das allerdings nicht genug. 10 Prozent für jeden, fordern Maschmeyer und Glagau gemeinsam, für Dagmar Wöhrl ist kein Platz in der Kombo. Sie argumentieren mit ihrer Erfahrung und ihren Kontakten in die USA. 

Die Gründer ziehen sich zur Beratung zurück, Glagau und Maschmeyer stellen unter sich klar, dass sie nicht verhandlungsbereit sind. Nach kurzer Zeit steht auch für die vier Gründer, die je 25 Prozent des Unternehmens halten fest, die Schmerzgrenze ist überschritten, und zwar weit. 

12 Prozent lautet ihr neues Angebot und scheinbar ist es den Löwen doch ernst. Die sonst so bedachte Fassade von Nils Glagau bröckelt, er rutscht an die Kante seines Sessels und kämpft um seine 10 Prozent. Er will nicht auf die Gründer eingehen. Auch Maschmeyer drängt das Team, noch einmal nachzudenken. Doch die Gründer bleiben cool. Die anfängliche Sicherheit von Glagau und Maschmeyer gerät noch mehr ins Wanken. Sie legen schließlich 50.000 Euro drauf, für die Bewertung.

Erstmals scheinen die Gründer zu zögern. Dagmar Wöhrl wittert ihre Chance und sucht erneut das Gespräch mit Maschmeyer. Sie sei für 15 Prozent mit Maschmeyer gemeinsam dabei. Doch das ändert für die Gründer letztendlich nichts, und der Geduldsfaden von Maschmeyer reißt. 

Wenn der Purpose im Vordergrund steht

Es ist ein harter Kontrast, den aumio in die Folge am Montagabend bringt. Nachdem  andere TeilnehmerInnen mit eher klassischen B2B oder B2C Business Modellen förmlich um einen Deal bangen, bleiben die Gründer souverän und halten an ihren Prinzipien fest. Sie bringen ein Produkt mit Purpose in die Show. Kofler nennt es “eines der Gesellschaftlich besonders relevanten Themen”. Ein Business Modell, das man eher selten in der Startup TV-Show zu sehen bekommt, geschweige denn, auf dass sich die LöwInnen stürzen. 

Doch Startup sein, das bedeutet für viele GründerInnen nun mal mehr als das ganz große Geld. Ein gutes Produkt, dass einen wichtigen Impact auf die NutzerInnen hat und ein Fokus auf nachhaltiges Wachstum des Unternehmens zum Beispiel. InvestorInnen mit ins Boot zu holen birgt neben Kapital eben immer auch Risiken. Vor allem, wenn es darum geht, ob ein Produkt in erster Linie einen hohen ROI abwerfen soll, oder ein nachhaltiges Unternehmen um das Produkt herum entstehen soll, das letztendlich einen viel größeren Zweck erfüllt. Die Reaktion der LöwInnen hat dennoch deutlich gezeigt, welches finanzielle Potenzial in aumio steckt. Doch es scheint als würden die Löwen bei ihrer Bewertung diese Prinzipien außen vor lassen.  

Am Ende verlassen die Gründer von aumio die Höhle der Löwen ohne Deal, dafür mit geradem Rücken. Zurück bleiben zerknirschte, sogar etwas beleidigte Investoren. “Also ich hätte wahnsinnig Lust gehabt mit denen auch ins Silicon Valley und die Vernetzung …”, murmelt Maschmeyer noch bevor dir Vorschau für die kommende Folge beginnt. Die Gründer jedoch sind zufrieden mit ihrer Entscheidung.

„Wir wollten das gerne machen. Ich glaube, das hätte auch super funktioniert mit den beiden“, erklärt Jean im Anschluss. „Es muss sich aber auch gut anfühlen. Und in dem Moment, wo es so hart an der durchaus realistischen Bewertung die wir hatten, vorbei bewertet wurde, hat es sich auch einfach nicht mehr so angefühlt, als hätten wir das gleiche Ziel. Als würden wir wirklich das, was wir machen, an Familien mit Kindern bringen.“

Sie haben das nicht richtig insgesamt verstanden”, darauf pocht Maschmeyer auch nach der Sendung in seiner Instagram Story. Vielleicht sind es in diesem Fall aber auch die beiden Löwen, die nicht richtig verstanden haben, dass Startups auch mehr verfolgen können, als einen Platz im Silicon Valley.

Übrigens, einige Monate nach der Aufzeichnung hat das Team passende InvestorInnen für sich gefunden.

Findet ihr die Entscheidung von aumio richtig? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen