Algenheld: Superfood Schokolade

Algenheld

Richard Kuntzsch ist Gründer von Algenheld. Er hat die nährstoffreiche Pflanze, die Müdigkeit bekämpft und die Konzentration fördert, in Schokolade verarbeitet. Ich traf mich mit Richard an seinem Arbeitsplatz im Coworking-Space Basislager. In entspannter Atmosphäre sprachen wir darüber, wieviel Zeit einzelne Prozesse brauchen, wie viel Geduld und Durchhaltevermögen man als Gründer dafür braucht und natürlich über den Weg der Algenheld-Schokolade, von ihrer Entstehung bis zu den Zukunftsplänen.

Sushi war gestern

Für Richard ist Sport schon immer ein wichtiges Thema gewesen. Dabei spielt natürlich auch Ernährung eine wichtige Rolle und so setzte er sich in seiner Freizeit viel damit auseinander, wie er sich gesünder ernähren könnte. Während des Studiums fing er an Zwerggarnelen zu züchten. Diese Tiere sind sehr sensibel und brauchen spezielles Futter. So eine Dose kostete Richard 12 Euro und er fragte sich, was da drin sein mochte. Unter den Zutaten des Futters fand Richard den Inhaltsstoff Spirulina platensis und konnte sich darunter erst einmal nichts vorstellen. Nach seiner Google- Recherche stand fest, es handelt sich um eine Alge.

Und so kam auch ans Licht, es handelt sich bei Algen um die nährstoffreichsten Pflanzen der Welt. Die spezielle Alge besteht aus 64% Eiweiß und beinhaltet das komplettes Aminosäure-Profil, sowie lebenswichtige Mineralien und Vitamine. Aminosäuren sind sehr wichtig für den Stoffwechsel. Gerade bei Stress oder erhöhter körperlicher Beanspruchung steigt der Bedarf aller Nährstoffe im Körper immens an. Genau diese Bandbreite liefert Spirulina. Für Richard stand fest, was für die empfindlichen Garnelen gut ist, muss auch für den Menschen gut sein. Jetzt war also nur noch die Frage zu klären, in welcher Form kann der Mensch die optimale Menge an Spirulina-Algen zu sich nehmen.

Die Auswahl der Alge

Wie soeben erwähnt, kann Spirulina Schwermetalle binden. Um den Körper nicht zu kontaminieren, ist die Qualität des Rohstoffes von entscheidender Bedeutung. Für den Auswahlprozess des Lieferanten hat Richard über 3 Monate benötigt. Erst nach dem Erhalt der Laborauswertung, aus dem eigens engagierten Labor, hat er sich auf seine Spirulina-Quelle festgelegt. Dieser Lieferant ist für Mikroalgen sogar Naturland-zertifiziert. Dies ist die höchste Qualitätsstufe, welche am Markt erhältlich ist. Richard ist von seiner Alge überzeugt, da sie ihm beim Entgiften geholfen hat und sein ph-Wert nun im basischen Bereich angelangt ist (auf Grund der vielen Mineralstoffe). Er empfiehlt allen Algen-Interessierten bei Mikroalgen lieber paar Euro mehr auszugeben, bevor kontaminierte Alge gegessen werden.

Vom Pulver zur Schokolade

Richard selbst begann 2016 die Alge in Form von Pulver zu sich zu nehmen. Da seine Freundin, wie übrigens jede zweite Frau der westlichen Welt, unter Eisenmangel litt, versuchte er auch ihr die Alge näher zu bringen. Allerdings scheiterten jegliche Versuche; ihr schmeckte die Alge einfach nicht. Richard experimentierte mit Smoothies, aber neben der Tatsache, dass seine Freundin auch diese nicht anrührte merkte er schnell, dass man Smoothies ohne Konservierungsstoffe nicht lange haltbar machen kann. Da er ein natürliches Produkt entwickeln wollte, musste er sich also etwas Neues einfallen lassen. Da Frauen erfahrungsgemäß gerne Schokolade essen, war seine nächste Idee, die Alge in Schokolade zu verarbeiten.

Zu Anfang versuchte er es einfach mal mit haushaltsüblicher Kuvertüre. Er schmolz sie, mischte das Algenpulver unter und machte kleine Kleckse, die er fest werden ließ. So testete er sich an den optimalen Geschmack heran, bis klar war: Zartbitter Schokolade harmoniert geschmacklich am besten mit der Alge. Außerdem beinhaltet diese sehr viele Antioxidantien, welche für die Gesunderhaltung wichtig sind. Nun begann Richard sich mit der Schokoladenherstellung auseinander zu setzen.

Die Verbindung von Zartbitterschokolade und Alge machte diese sehr hart und schwer zu kauen. Also musste eine weitere Recherche durchgeführt werden. Schwangerschaftsbücher mit Ernährungsratgebern lieferten schlussendlich den entscheidenden Tipp: gepuffter Amaranth. Auch dieses Nahrungsmittel bietet eine Bandbreite an Vorteilen, Ballaststoffe, Omega 3 Säuren, Eiweiß u.v.m. Die Experimentierphase dauerte etwa ein halbes Jahr; in der etwa zwei Meter breiten Küchenzeile mit lediglich einer Herdplatte der Studentenwohnung. Freunde und Familie mussten immer wieder zum Testessen erscheinen bis die Rezeptur endlich stand. Diese ist nun auch als Patent gemeldet.

In seinem Blog erklärt der Algenheld, alle wichtigen informationen. Durch das schonende Verarbeitungsverfahren der Algenschokolade bleibt ihre gesundheitsfördernde Funktion erhalten: Sie kann u.a. den Körper entgiften (Detox). In Russland gilt Spirulina als medizinisches Naturprodukt und wurde nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl eingesetzt. Darüber hinaus hat die Alge viele, weitere gesundheitliche Vorteile. Sie hilft beispielsweise bei Allergien, da sie ein natürlicher Histaminblocker ist.

Die kauffertige Algen-Schokolade

Für die Produktion der Schokolade hat der Gründer einen Chocolatier als Dienstleister beauftragt, der die Schokolade nach dem eigens entwickelten Rezept erstellt. Dadurch werden auch die höchsten Ansprüche des Handels (IFS-Zertifizierung) erfüllt. Die Verpackung ist aus Maisstärke, sodass sie biologisch abbaubar ist. Nachhaltigkeit ist Richard ein wichtiges Thema und er möchte sie von Anfang an in seiner Produktion rund um das Produkt integrieren.

Bevor die Schokolade verkauft werden konnte, brauchte sie aber noch einen passenden Namen und ein passendes Logo. Mit dem Namen und dem Logo legt man fest, welche Assoziationen Kunden mit dem Produkt haben. Dem Gründer war klar, dass Name und Logo oft maßgebend für die Kaufentscheidung verantwortlich sind. Lange Nächte und viele Brainstorming-Ideen später stand der Name fest: Algenheld. Ein Graphiker erarbeitete 15 Logos, von denen drei in die engere Auswahl genommen wurden, die dann in Umfragen mit der Uni Leipzig wissenschaftlich bewertet wurden. Der Prozess erstreckte sich über mehrere Wochen. Der Gründer weiß: Gründen erfordert viel Zeit und Geduld.

Der Vermarktungsstart fand in Köln auf der Süßwaren-Messe statt. Dort waren über 1600 Aussteller. Seafood und Algen wurde von den Veranstaltern in den Fokus gestellt, weil sie darin einen großen Trend sehen. Aber neben dem Algenheld war nur ein Anbieter dabei, der die Alge zum Färben nutzt. Das Interesse war demnach ziemlich hoch und der Gründer war selbst überrascht, wie gefragt der Algenheld bei Presse (u.a. Pro7/ Sat.1) und Messebesuchern war.

Nun läuft der Verkauf der Algenheld-Schokolade an. Aus der Süßwarenmesse heraus ergab sich die zentrale Listung bei H.I.T. Ab sofort ist die Schokolade deutschlandweit in allen H.I.T.-Filialen (Rewe Gruppe) erhältlich. Aktuell befindet sich der Algenheld in Verhandlungen mit BIO-Ketten und Fitnesssstudios, sodass demnächst eine flächendeckend Verfügbarkeit der Algenschokolade gewährleistet sein wird.

Finanzierung und Beratung

Fragt man Algenheld-Gründer Richard, was die größte Herausforderung bisher während der Gründung war, so antwortet er: „Den richtigen Berater finden.“ Nicht jeder Berater passt zu einem und nicht jeder Berater hält was er verspricht. Berater sind häufig erst einmal völlig begeistert von einer Idee, aber um dazu zu lernen, braucht man auch konstruktive Kritik. Ihm selbst wurde dazu geraten so schnell wie möglich ein Gewerbe anzumelden. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass er so nicht von Förderungen zur Gründung Gebrauch machen konnte, die er dringend hätte gebrauchen können.

So musste er am Anfang seine Gründung einen Vollzeit-Jobs annehmen. Diese Doppelbelastung von Produktentwicklung und Beruf dauert 1 Jahr an. Ab Januar 2018 war dies nicht länger zu bewerkstellige. Richard entschied sich ab sofort in Vollzeit als Algenheld zu arbeiten. Bis das Unternehmen wirtschaftlich arbeiten kann, werden die Reserven der Oma genutzt. Richards Oma glaubt an ihn und sagte: „Nimm meine Altersvorsorge für den Start, ich glaube an Dich mein Junge.“

Von Dresden nach Leipzig

Richard ist gebürtiger Dresdner und wollte ursprünglich nie aus Dresden wegziehen. Heute hat er sich als Gründungsstandort doch Leipzig ausgesucht. Er findet Leipzig ist noch ein bisschen hipper und kreativer als Dresden und die Gründerszene in Leipzig ist seiner Ansicht nach stärker vernetzt. „Mir fehlt es hier als Gründer an nichts,“ sagt er.

Forschung rund um die Alge

Die Vision von Algenheld ist es, das führende Unternehmen und erster Ansprechpartner für Mikro-Algen zu werden. Zukünftig plant Richard Forschungen und Studien rund um die Alge initiieren und begleiten zu können. Algen stehen im Verdacht, Krebshemmende Wirkstoffe zu haben. Gerade der Bereich Krebsforschung interessiert den Gründer sehr. Er hofft, dass er die Alge dahingehend zusammen mit Instituten besser erforschen kann. Ab Juli soll seine Crowd-Funding Kampagne starten, wodurch ihr in direkt unterstützen könnt.

Algenheld
Die Algenschokolade im Test: Schokolade teste ich immer gerne…

Wie schmeckt die Algenheld-Schokolade eigentlich?

Bevor ich mich wieder auf den Rückweg mache, darf ich die Algenschokolade noch probieren. Die Schokolade ist sehr dunkel und etwas dicker gewöhnliche Schokolade. Zuerst fruchtig, schmeckt man im Nachgeschmack eine ungewohnte Note heraus, die ich nicht so leicht definieren oder beschreiben kann. In der Tat harmonisieren die Geschmacksrichtungen miteinander, aber ich merke wie ich an Nori-Blätter zum Sushi rollen denken muss. Müsste ich ein Wort wählen, was den Geschmack beschreibt, so würde ich wahrscheinlich sagen „interessant“. Es schmeckt  nach einer ganz neuen Geschmackskombination, die ich noch nie vorher probiert habe. Ich rate euch es einfach selbst mal zu testen. Ich nehme die restliche Schokolade mit nach Hause und am nächsten Tag ist sie weg. Da war ich wohl doch geschmacklich überzeugt….