Eyetracking per Webcam: Adsata hat Erfolg im Blick

Taimur Khan und Jonas Kühl haben Adsata gegründet. Das Startup macht Eyetracking per Webcam möglich. Eine spannende Methode, um Websites und Apps auf ihre Nutzungsfreundlichkeit zu testen. In Zeiten, in denen Digitalisierung Trumpf ist, die richtige Idee im richtigen Moment? Wir stellen das Team und seine Geschäftsidee aus Halle (Saale) vor.   

Klick. Klick. Nicht fündig geworden. Klick. Schon ist die aufgerufene Website wieder verlassen. Menschen stellen täglich zwischen 3,6 und 5,1 Milliarden Anfragen an Google. Suchen sie selbst etwas auf einer Homepage oder finden sich in einer App nicht zurecht, geben sie innerhalb von Sekunden auf.

Wer erfolgreich digitale Angebote gestalten will, sollte das Nutzungsverhalten seiner Zielgruppe kennen. Eyetracking-Studien können dabei helfen. Das sind Tests, bei denen die Augenbeobachtungen von ProbandInnen verfolgt und analysiert werden. Was auf einer Website direkt ins Auge fällt und ob die gewünschte Nutzung funktioniert, lässt sich mittels Erfassung des Blickes (Eyetracking) herausfinden. 

Eyetracking kann einfach und günstig sein

Bislang waren solche Studien jedoch vor allem aufwendig und teuer. Testpersonen hatten entweder einen verkabelten Helm auf dem Kopf oder es brauchte andere externe Hardware, die die Reaktionen beim Klicken aufzeichneten. Ein Startup aus Halle zeigt: Es geht einfacher. 

Adsata bietet Eyetracking per Webcam. Genauer gesagt, entwickelt das Team um Gründer Taimur Khan und Jonas Kühl eine Plattform, über die man Websites, Apps oder Grafiken testen kann. Alles ohne technische Extras, alles Datenschutz-konform, denn die Daten werden nur über die kurze Zeit der Studie getrackt und direkt im Browser verarbeitet. „Wir wissen nicht einmal, wie unsere ProbandInnen aussehen“, sagt Softwareentwickler Taimur Khan.

Das Geschäftsmodell von Adsata: „Für die Nutzung unserer Plattform zahlen KundInnen entweder eine Flatrate oder Paketpreise. Darüber hinaus bieten wir noch Consulting an, zum Beispiel für die Einrichtung besonderer Studienformate oder die Rekrutierung von ProbandInnen“, so Taimur. 

Für Webshops und Medienunternehmen spannend

Spannend dürfte das vor allem für User-Experience-DesingerInnen, BetreiberInnen von Webshops oder für Medienunternehmen sein. Aber auch im Bereich digitaler Anzeigen können die Adsata-Tests über gewinnbringende Klicks entscheiden. Ein Angebot mit Potenzial. Insbesondere in Zeiten, in denen die Digitalisierung in beinahe allen Branchen und kleinen und mittelständischen Betrieben Schub durch die Corona-Pandemie bekommt.

Damit Adsata selbst schnell wachsen kann, ist Venture Capital eine Option. „Wir haben sowohl mit InvestorInnen als auch mit potenziellen Business Angels schon gute Gespräche geführt“, sagt Jonas, der für das Business Development verantwortlich ist. „Der Investforum Startup-Service aus Halle hat uns darauf gut vorbereitet.“ Das Team der Univations GmbH begleitet Startups von der Entwicklung des Geschäftsmodells bis zur Kapitalakquise. Auf dem Investforum Pitch-Day treffen jedes Jahr finanzstarke InvestorInnen auf Startups mit Zukunft. „Der Pitch-Day 2020 war ein super Format, um direkte Kontakte zu KapitalgeberInnen zu knüpfen. Unsere Technologie ist mitunter schwer zu erklären. Haben wir aber Gelegenheit, sie zu zeigen, sind Fragen und Bedenken meist schnell ausgeräumt“, sagt Taimur. 

Vom Cafétisch ins eigene Büro

Adsata nahm im Sommer 2018 als Nebenprojekt an Cafétischen und im Homeoffice seinen Anfang. Seit 2019 wird das Unternehmen im Rahmen des Programms Digital Creativity vom Land Sachsen-Anhalt gefördert. „Das sichert uns noch für die nächsten Monate ab“, sagt Jonas Kühl. Erste Umsätze wurden vor dem eigentlichen Markteintritt bereits über Consulting Projekte generiert. Zudem nimmt das mittlerweile fünfköpfige Team am Media Startup Fellowship teil, einem Förderprogramm des Media Lab Bayern.

Bestand das Gründungsteam lange aus Taimur und Jonas, so sind 2020 Daniel Schreiber als Backend-Developer, Marissa Eronika für den Bereich Data und Analytics und Frontend-Entwickler Theo Hollweg dazugekommen. Der studierte Geowissenschaftler Taimur baute bereits zu Uni-Zeiten in New York ein Adtech-Startup auf. Jonas kommt aus dem Bereich Personalentwicklung/Design Thinking und hat vorher einige Jahre Startups an der Uni in Halle beraten. Auch Bioinformatiker Theo konnte bei kulero, den ErfinderInnen der essbaren Löffel, bereits Startup-Erfahrung sammeln. Keine schlechten Voraussetzungen für Adsata. 

Das Unternehmen hat mittlerweile ein Büro im Mitteldeutschen Multimediazentrum in Halle. Die Nachmittage in der Café-Ecke beim Bäcker sind Geschichte. Kekse und Kuchen spielen aber immer noch eine große Rolle – vorausgesetzt eine Pandemie zwingt das Team nicht gerade zum Arbeiten im Homeoffice. „Wir arbeiten im Scrum-Framework“, sagt Taimur. „Das bedeutet im Moment ein morgendliches Online-Stand-up-Meeting. Dort planen wir den Tag und schauen, wer woran arbeitet, aber auch, wie es uns so geht.“ Am Ende des Tages wird dann nochmal „ausgecheckt“, ob alles passt. 

Mit Mate und Kaffee zu immer neuen Lösungen

Dass es aufgrund von Events, Pitches oder Release-Terminen insgesamt wenig Routine gibt, schätzen die Jungunternehmer. „Unsere Kultur ist sehr Startup-like“, sagt Jonas. Es gebe wenig Strukturen, viel Mate, Kaffee und immer eine pragmatische Lösung für die täglich neuen Herausforderungen. „Wir alle finden die Technologie und die daraus entstehenden Möglichkeiten total spannend. Es macht Spaß, gemeinsam etwas aufzubauen.“

In Mitteldeutschland finden sie dafür die Unterstützung, die sie benötigen. „Es gibt in der Region einen guten Zugang zu vielen Angeboten – es wäre fahrlässig, das nicht zu nutzen. Ohne die Förderung der Investitionsbank Sachsen-Anhalt hätten wir nicht die Chance gehabt, ein so komplexes Produkt zu entwickeln“, sagt Taimur. Bei all den Events, Inkubatoren und Accelerator-Programmen sehen die Gründer jedoch auch die Gefahr, den eigenen Fokus zu verlieren.

„Unser Tipp an andere Startups: Konzentriert euch auf eure eigenen Ziele und schaut, was wirklich zu euch passt und euch hilft, eure Schwächen zu stärken.“ 

Mitteldeutschland – Startup-Region mit Potenzial für mehr

Dass Mitteldeutschland ein aufstrebender Markt für Startups ist, spricht sich zunehmend herum. Auch Adsata sehen in den niedrigen Lebenshaltungskosten und Löhnen echte Vorteile für ein junges Unternehmen mit geringem Startkapital. Auch wenn die Politik die Chancen durch die Ansiedlung von Startups erkannt habe, hätten es neue Ideen trotzdem nicht immer leicht, schätzen die Gründer. „Sogar staatlich unterstützte Risikokapitalunternehmen, die als Seed-Stage-Fonds vermarktet werden, erwarten von Startups vor der Investition einen Markteintritt“, sagt Taimur. 

Hinter Adsata steckte von Anfang an ein sehr internationales und buntes Team. Taimur kommt ursprünglich aus Pakistan, ist in Neuseeland aufgewachsen und hat in den USA studiert. Marissa kommt aus Indonesien und war vor ihrem Studium in Halle an einer Uni in Groß Britannien. Die Diversität wirkt sich positiv auf die Produktivität und die Innovationskraft des Teams aus, ist Taimur überzeugt: „Die Politik sollte deshalb stets für ein inklusives Umfeld sorgen, in dem alle Bevölkerungsgruppen vertreten sind, die Deutschland ausmachen.“

Seit Kurzem ist eine kostenfreie Demo auf der Website des Startups verfügbar, dort können auch Webinare gebucht werden, die das Ganze genauer erklären. Also schaut mal vorbei! 

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