5 Jahre, 15 Runden – Das Social Impact Lab startet eine neue Runde Sozial & Gründer

Social Impact Lab Team
Das Social Impact Lab Leipzig Team hat eine neue Strategie für die nächste Runde des Gründerprogramms Sozial & Gründer entwickelt. Sie stehen als Coaches und AnsprechpartnerInnen für die StipendiatInnen zur Verfügung. (Quelle: Social Impact Lab, Alexander Schmidt / PUNCTUM)

Social Entrepreneurship – ein Begriff der nicht nur immer bekannter, sondern auch immer wichtiger wird. Er steht ganz groß auf der Fahne des Social Impact Labs in Leipzig. Seit fünf Jahren setzt sich das gemeinnützige Unternehmen für die Förderung von sozialen Innovationen aus der Region ein. Jetzt startet eine neue Runde Sozial & Gründer. Wir haben mit aktuellen StipendiatInnen und Alumni des Programms gesprochen. 

5 Jahre Social Impact Lab Leipzig

Mitte des Jahres hat das Social Impact Lab Leipzig gemeinsam mit dessen Community seinen fünften Geburtstag gefeiert. Diese ist mittlerweile stark gewachsen, und sie alle kommen immer wieder gerne am Karl-Heine-Kanal zusammen, die Atmosphäre ist herzlich und der Ausblick unschlagbar.

Seit das Lab 2014 eröffnet wurde, sind mehr als 60 Teams begleitet worden, die mit einer sozial-innovativen Idee etwas bewirken wollen. Sie alle waren Teil des Sozial & Gründer Programms. Aktuell wird dort noch die 14. Kohorte betreut, im Oktober startet Kohorte #15.

Zum 5. Geburtstag kam die Community des Social Impact Labs zusammen, um auf die letzten Jahre zurück zu blicken. (Quelle: Social Impact Lab Leipzig, saxn.co)

15 Runden Sozial & Gründer

Geschäftsmodelle müssen nicht immer finanziellen Erfolg zum Ziel haben, Innovationen in gesellschaftlichen oder ökologischen Bereichen sind mindestens genauso wichtig. Das Social Impact Lab Leipzig unterstützt mit dem Sozial & Gründer Programm Teams und EinzelgründerInnen, die aus einer Idee ein soziales Unternehmen machen wollen.

Sozial & Gründer wendet sich an GründerInnen in einer frühen Gründungsphase. Einzelpersonen und Projektteams, die noch nicht gegründet haben und ihre Idee in Zukunft unternehmerisch umsetzen möchten, werden besonders aufgefordert, sich für das Gründerstipendium zu bewerben. Durch eine Bedarfsanalyse wird genau auf die Bedürfnisse der einzelnen Projekte eingegangen und so eine fachliche Grundlage für eine nachhaltige Unternehmensgründung geschaffen. Für die kommende Runde gibt es ein paar Veränderungen.

Das ist neu

Bisher war das Programm darauf zugeschnitten, die Teams über 8 Monate vor Ort mit Coworking, Coaching und Workshops auszustatten und zu betreuen. Jetzt findet das Stipendium für sechs Monate im Sprint-Format statt. Das bedeutet, Workshops und bedarfsspezifische Fachberatungen finden monatlich in Präsenzblöcken von maximal vier Tagen, immer donnerstags bis samstags statt. Somit ergibt sich auch für Teams deutschlandweit die Möglichkeit am Programm teilzunehmen.

Hinzu kommt die neue Aufteilung der Ideen in Rubriken. Gesucht werden die besten Ideen in den Bereichen Wohlfahrt & Teilhabe, Gesundheit, Ernährung, Mobilität, Umwelt & Energie sowie Kunst, Kultur & Medien.

Um die Region noch stärker einzubeziehen, bemüht sich der Standortleiter des Social Impact Lab Leipzig Konrad Sell darum, Unternehmen als Paten und Mentoren für die Teams zu finden. Diese werden dann entweder nach thematischen Schwerpunkten gematcht, oder die Unternehmen vergeben Projekte. Schließlich schlummern in vielen Schubladen Ideen, bei denen es den Unternehmen an Umsetzungsvermögen  fehlt.

„Wir wollen weiterhin Entrepreneurship im Allgemeinen und Social Entrepreneurship im Speziellen in der Region voran treiben.“, erklärt Konrad Sell, der Anfang des Jahres die Standortleitung für Leipzig übernommen hat. „Durch die Anpassung unseres Programms wollen wir mehr Teams die Chance geben, an dem Programm teilzunehmen und gleichzeitig die Region stärker einbinden.“

Und was ist aus den Alumni geworden?

Wir haben mit Teams aus den letzten Kohorten gesprochen und sie gefragt, was das Sozial & Gründer Programm für sie ausmacht, welche Erfolge sie während des Programms hatten und wie es ihnen heute geht.

Kohorte #2: Tutory

Tutory.de ist ein Online-Editor für Arbeitsblätter im Sekundarschulbereich. LehrerInnen können damit Unterrichtsmaterial schnell und professionell gestalten. Dokumente können auch als Open Educational Resources zur kostenlosen Weiternutzung veröffentlicht werden.

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Thomas Haubner, Mitgründer von Tutory (Foto: Björn Kowalewsky)

Was zeichnet das Sozial & Gründer Programm aus deiner ganz persönlichen Sicht aus? 

Thomas Haubner: Das Programm hat für uns vor allem Coaching, Arbeitsplatz und Zugang zum Netzwerk ausgemacht. Gründerteams müssen grundsätzlich eng zusammenarbeiten. Einen (gleichsam schönen) Ort zum Anfangen zu haben, ist extrem förderlich.

Was war der größte Erfolg den ihr mithilfe des Programms verzeichnet habt?

Thomas Haubner: Am Programm teilzunehmen war ein großer Erfolg. Während des Programmes haben wir es zu unserem ersten kostenpflichtigen Angebot geschafft.

Wie geht es Tutory heute, habt ihr die Ziele, die ihr euch zu Beginn des Programms gesteckt habt, erreicht?

Thomas Haubner: Ehrlicherweise nein. Wir haben enorm viel gelernt. Und auch, dass Ziele nicht erreicht werden müssen, wenn sich unterwegs bessere Wege ergeben. Oftmals ist es überhaupt das Weitergehen, das zählt.

Heute ist Tutory erfolgreich und ab und zu trifft man das Gründerteam als Coworker auch noch im Lab an.

Kohorte #11: The Buzzard

Eine neue Form von Online-Journalismus schaffen, diese Mission haben sich die Gründer von The Buzzard zur Aufgabe gemacht. Sie möchten, dass sich die Menschen aus ihrer Medienblase befreien und anfangen, sich wieder selbst eine Meinung zu bilden.

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Die Gründer von The Buzzard Felix Friedrich und Dario Nassal (Quelle: The Buzzard)

Was hebt das Sozial & Gründer Programm aus deiner Sicht von ähnlichen Programmen ab? 

Dario Nassal: Sozial & Gründer ist ein gutes Programm, weil es Startups unterstützt, die nicht den Venture Capital Weg gehen. Das ist extrem wichtig, denn nicht jede Idee eignet sich für Venture Capital. Zum Beispiel in der Journalismus-Branche. Risikoinvestoren investieren in Deutschland so gut wie nicht in Journalismus Startups. Und trotzdem braucht unsere Gesellschaft guten, innovativen Journalismus. Und Gründer, die das vorantreiben. Für mutige Projekte, die in der Frühphase sind und einen Weg abseits von Venture Capital einschlagen wollen, ist das Angebot unschätzbar wertvoll.

Welche Meilensteine habt ihr während Zeit im Programm erreicht?

Dario Nassal: In der Zeit während des Sozial & Gründer Programms haben wir unsere Leserschaft verdoppelt auf mehr als 5000 LeserInnen pro Monat. Gleichzeitig haben wir Kooperationen mit der Huffington Post und Detektor FM aufgebaut und neue journalistische Formate entwickelt.

Wo steht The Buzzard heute, nach dem Programm? 

Dario Nassal: Unsere Reichweite ist um mehr als 100 Prozent gewachsen und wir konnten unser Team deutlich vergrößern: Mittlerweile arbeiten 10 JournalistInnen für The Buzzard und jetzt stehen wir vor einem spannenden Schritt: Im Oktober starten wir eine deutschlandweite Kampagne. Ich darf an dieser Stelle noch nicht mehr verraten, aber wir werden bei Startup Mitteldeutschland bald schon darüber berichten.

Kohorte #12: Erna Primula – Blumen Studio

Slow Flowers sind noch nicht jedem ein Begriff. Chantal Remmert hat sich mit der Gründung ihres Nachhaltigen Blumenstudios Erna Primula einen Kindheitstraum erfüllt. Ihre Blumen wachsen hier in Leipzig, ohne künstliche Herbizide, Pestizide und Düngermittel in einer Mischkultur.

Erna Primula Blumenstudio
Die Gründerin Chantal Remmert mit ihrer Hündin Erna – die Namensgeberin des Bio-Blumenstudios. (Quelle: Erna Primula – Blumenstudio, punktmirjam – Mirjam Klein)

Was war besonders hilfreich am Programm für dich?

Chantal Remmert: Die Unterstützung während der Unternehmensgründung in den Coachings, Workshops und von der Kohorte war für mich sehr wertvoll. Einerseits, da ich bei (Gründungs-)Fragen immer wusste, an wen ich mich wenden kann. Andererseits sind in der Kohorte Teams, die alle ganz unterschiedliche soziale oder ökologische Gründungen verfolgen, jedoch ähnliche Herausforderungen, Probleme und Erfolge haben.

Magst du uns von deinem größten Erfolg zu der Zeit erzählen?

Chantal Remmert: Mein größter Erfolg war, insgesamt ein kleines und funktionierendes Unternehmen zu gründen. Erna Primula – Blumen Studio bin nicht nur ich alleine. Es gibt ein tolles Team, wir haben tolle KundInnen, wir bauen nachhaltig unsere eigenen Schnittblumen in Leipzig an und haben unseren Traum zum Beruf machen können.

Wie läuft dein Social Business heute?

Chantal Remmert: Heute geht es uns insgesamt sehr gut. Natürlich ist unser Business sehr arbeitsintensiv und es gibt auch weniger tolle Tage. Jedoch haben wir unsere Ziele erreicht und in einigen Fällen sogar übertroffen! Mit und Dank des Social Impact Lab Leipzig.

Übrigens hat es ihr Projekt zuletzt sogar in einen Beitrag bei ARTE geschafft.

Kohorte #14: KoLa Leipzig

Kooperative Landwirtschaft – das steckt hinter KoLa Leipzig. Das Team ist Mitglied der aktuellen Kohorte. Ab Herbst nächsten Jahres bekommt das Team 35 Hektar Land zur Verfügung gestellt. Dieses wollen sie in Zukunft als Solidarische Landwirtschaft bestellen und das mit zukunftsweisenden Anbaumethoden, genossenschaftlich, solidarisch und im Kollektiv.

Bis das Projekt im Herbst 2020 starten kann, liegt noch ein gutes Stück Arbeit vor dem KoLa-Leipzig Team. Aber sie sind zuversichtlich.

Was nehmt ihr mit von dem Programm im Social Impact Lab?

Eva Köhler: Wir kommen aus einer sehr idealistischen Ecke, dieser ganze Finanzkram, Zielgruppenanalyse, „Call to Action“-Sprech im Social Impact Lab war (und ist) für uns manchmal hart. Eines unserer Ziele ist aber nunmal: Wir wollen die solidarische Landwirtschaft in die Mitte der Gesellschaft bringen. Dazu müssen wir uns eben auch immer wieder anschauen, wer aus welchen Gründen unser Gemüse mal essen wird. Und wie wir auch Banken ins Boot, bzw. mit auf den Acker holen können.

Welche Ziele habt ihr euch für das Programm gesteckt und wie weit seid ihr damit? 

Eva Köhler: Das Stipendium ermöglichte uns sehr fokussiertes Arbeiten: Wir haben eine Umfrage mit 800 Teilnehmern durchgeführt, der Businessplan ist fast fertig und die Genossenschaft wird gegründet.

Wie soll KoLa Leipzig in einem Jahr aussehen und wie hilft Sozial & Gründer euch dahin zu kommen? 

Eva Köhler: Im Herbst 2020 können wir auf den Acker. Wir hoffen dann schon mit 500 Genossenschaftsmitglieder starten zu können. Wissen aber auch, dass das sehr ambitioniert ist. Sozial & Gründer macht uns Mut, dass dies möglich ist.

 

Die Bewerbungsphase für die 15. Kohorte des Sozial & Gründer Programms endet am 15. September. Bis dahin könnt ihr euch hier für das Programm bewerben. Wir sind gespannt ,wer beim Pitch am 17. Oktober die Jury überzeugen kann.

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