5 HR-Tipps für Startups von Vice President „Team & People“ Julia von LOVOO

Vom Startup zum Tech-Unternehmen. Das Thema HR & Teams ist für Startups von Anfang an unabdingbar und kann mit wachsendem Erfolg schnell zur Herausforderung werden. Julia Hanusch ist Vice President Team & People bei LOVOO aus Dresden. Aus dem ehemaligen Startup ist längst ein erfolgreiches internationales Unternehmen geworden. Sie hat uns in 5 HR-Tipps für Startups verraten, wie man das Thema HR & Teams vom Startup bis zum Tech-Unternehmen angeht. 

Hinter dem Erfolg eines Unternehmens steht als Erstes das Team an MitarbeiterInnen. Startups die nach ihrer Gründung schnell wachsen stehen auch schnell vor der Herausforderung, die richtigen Leute zu finden, die ebenso für ihre Geschäftsidee brennen und noch dazu das richtige Set an Fähigkeiten mitbringen, um das Startup voranzubringen. Noch dazu sollte man diese Leute auch langfristig im Unternehmen halten können. Dies erfordert viel Fingerspitzengefühl und kann über Erfolg und Niederlage entscheiden. Gute HR-ManagerInnen können den GründerInnen diese Arbeit irgendwann abnehmen. Julia Hanusch ist VP Team & People bei LOVOO aus Dresden und ist von Anfang an dabei gewesen. Sie weiß, wie wichtig das Thema HR für Startups in der Wachstumsphase ist. Das Gespräch mit ihr haben wir in fünf HR-Tipps für Startups in der Wachstumsphase zusammengefasst.

Mit Julias HR-Tipps für Startups geht ihr das Thema Recruiting in der Wachstumsphase richtig an

Angefangen hat für Julia alles vor sechs Jahren. Damals startete sie als HR Specialist bei LOVOO, einem der größten Anbieter für Dating-Apps in Deutschland. Schon während ihres Psychologiestudiums fokussierte sie sich auf Arbeits- und Organisationspsychologie und recherchierte im Rahmen ihrer Bachelorarbeit, wie Unternehmen gute Leute finden und vor allem halten. Was machen Unternehmen, in denen sich MitarbeiterInnen wohlfühlen und produktiv sind, richtig? Bei ihrer Recherche stieß sie auf LOVOO und bewarb sich spontan.

Wie in jedem Startup ging es zu Beginn auch bei LOVOO vor allem darum zu wachsen und dabei eine nachhaltige HR-Struktur aufzubauen. Es galt ein Bewerbungsmanagementsystem einzuführen, das MitarbeiterInnen-Branding aufzubauen und Recruiting-Prozesse sowie die Personalentwicklung zu betreuen. Schnell wurde sie Leitung des damals sechsköpfigen Teams. Heute gehe es vor allem darum, die vorhandenen Ressourcen nachhaltig und skalierbar auszubilden und stetig weiterzuentwickeln und zu professionalisieren, erklärt uns Julia.

Julia verantwortet als VP Team & People ebenfalls die Abteilung Team & People Development bei LOVOO. Gemeinsam sorgt das Team für die richtigen Talents, eine angenehme Arbeitsatmosphäre und dafür, dass sich alle Mitarbeitenden weiter entwickeln können. (Foto: Christian Lorenz / LOVOO GmbH).

Was sie GründerInnen die gerade dabei sind, ihr Startup zu skalieren mit auf den Weg geben würde, haben wir jetzt in fünf HR-Tipps für Startups zusammengefasst:

HR-Tipp #1: Schafft eine Team-DNA für alle MitarbeiterInnen

Dass in einem erfolgreichen Unternehmen alle an einem Strang ziehen sollten, klingt erst mal selbstverständlich. Aber vor allem in der Wachstumsphase kann man schon mal den Überblick verlieren. Wenn es darum geht, dass dringende Aufgaben schnell erledigt werden sollen und die nötigen Positionen dafür schnell besetzt werden müssen, dann sollte klar sein, wie die Anforderungen an Personen, die in das Unternehmen einsteigen sollen, lauten.

Dabei kann eine Unternehmens-DNA helfen, ein Konzept, nach dem sich alles richtet und an dem sich auch das Team von Anfang an orientieren kann. Die DNA unterstütze bei LOVOO ein einheitliches Verständnis der gegenseitigen Erwartungshaltung aneinander, erläutert Julia. Was erwartet die Firma von ihren Mitarbeitenden, aber auch was dürfen auch die Mitarbeitenden von der Firma inklusive Management und Führungskräften erwarten?

„Unsere DNA lautet: Passion, Competence, Accountability, Goalgetter & Teamplay. Das heißt, bereits beim Hiring achten wir darauf, dass Bewerbende diese Kategorien erfüllen. Auch unsere komplette Personalentwicklung sowie Feedbackkultur orientiert sich an der LOVOO DNA. So wird zum Beispiel in Feedbackgesprächen das Feedback in die 5 DNA Kategorien gegliedert.“  

HR-Tipp #2: Schafft den optimalen Recruiting-Prozess für euer Startup

Am Anfang lief der Recruiting-Prozess auch bei LOVOO noch via Excel, das hat allerdings schnell nicht mehr funktioniert. Bei schnellem Wachstum kann es eine echte Herausforderung werden, einen Prozess zu finden, der auch nachhaltig ist. Julias Tipp: Frühzeitig schauen, wie man Prozesse beschleunigen oder auch automatisieren kann. 

„Jeder, der bei null startet, muss irgendwo anfangen und dann ganz viel am Prozess optimieren und seine Erfahrungen am Daily Business austesten“, erinnert sich Julia. „Ich habe damals viel zu dem Thema gelesen, an Netzwerkevents zum Thema HR teilgenommen und nach anderen Startups Ausschau gehalten, die HR-Tools entwickeln.“

Ihr Team arbeitet mittlerweile mit professionellen HR-Tools […] und legt im Recruiting Prozess am meisten Wert auf Schnelligkeit, Qualität und Passgenauigkeit. Dabei gilt es, die goldene Mitte zu finden, d.h. sich nicht übereilt in die Bewerberauswahl zu stürzen. Stattdessen sollte man sich vorher genau darüber Gedanken machen, welche Qualitäten in einer Person gebraucht werden, diese in Gesprächen gewissenhaft abfragen und gleichzeitig die BewerberInnen im Anschluss nicht zu lange warten lassen.

„Jede unserer Bewerbungen wird noch am selben Tag an die verantwortliche Person weiter geleitet. Alle BewerberInnen bekommen nach spätestens zwei Wochen ein Feedback, auch wenn es erst mal nur ein „Hey, wir haben dich nicht vergessen“ ist.“

Aber Achtung: Man tendiere schnell dazu, Leute einzustellen, die so sind wie man selbst, weiß Julia aus langjähriger Erfahrung. Man müsse aber auch auf Diversität und Stärken in den Persönlichkeiten achten, erinnert sie.

Auch sich bei anderen Firmen abzuschauen, wie die mit dem Thema HR umgehen, kann helfen. Wie so oft kann das nötige Wissen aber auch schon im eigenen Team liegen, bei MitarbeiterInnen, die in einem früheren Job schon erfolgreiche Recruiting Prozesse aufgebaut haben zum Beispiel.

HR-Tipp #3: Besetzt eure Führungspositionen am besten von Innen

Ein wichtiger Faktor für erfolgreiches HR-Management sind in jedem Unternehmen die Führungspersonen. Sie sollten Vorbilder in allen Situationen sein, gleichzeitig wertschätzend, motivierend und erfahren. Erfahren bedeutet aber nicht, dass sie von Haus aus bereits Führungs-ExpertInnen sein müssen. Auch Führungspersonen muss man entwickeln, dafür muss allerdings die Basis stimmen. Bei LOVOO hat sich das Prinzip „Hire for attitude, develop for skills“ bewährt. Rund dreiviertel der Führungspositionen sind bei dem Tech-Unternehmen aus den eigenen Reihen heraus besetzt. Darauf werden diese im Rahmen der Personalentwicklung lange vorbereitet und intensiv gecoacht.

Dabei gilt es vor allem zwei Dinge zu beachten, weiß Julia: Zum einen müssen Mitarbeitende die Führungskräfte werden lernen, auch loszulassen und zu delegieren. Damit einher gehe auch, dass man niemals einfach die Person mit den besten fachlichen Skills im Team zur Führungskraft befördern sollte, sagt sie. Fachliche Skills und People Management sind zwei unterschiedliche Bereiche. Sie gehen Hand in Hand und setzen gleichzeitig verschiedene Skills und Motivationen voraus.

„Nehme ich einem fachlichen Experten seine operativen Aufgaben weg und gebe ihm Führungsaufgaben, für die er/sie gar nicht brennt, dann kanne es schnell passieren, dass diese Person unzufrieden wird. Bevor jemand aus dem Unternehmen für eine Führungsposition in Betracht gezogen wird, sollte sich das HR-Team intensiv damit auseinander setzen, wer für diese Rolle auch wirklich intrinsisch motiviert ist und sich wohl damit fühlt.“

HR-Tipp #4: Findet die richtige Feedbackkultur für euer Team

Feedback ist einer der entscheidenden Faktoren, wenn es um die Personalentwicklung geht. Wer eine nachhaltige und effektive Feedbackkultur für sein Startup aufbauen möchte, sollte damit beginnen, ein einheitliches Verständnis des Terms zu finden. Gemeinsam muss festgelegt werden, wie man konstruktiv Feedback gibt und aufnimmt. Denn negatives Feedback bedeutet beispielsweise nicht, dass jemand nicht wertgeschätzt wird. Feedback sollte als Geschenk betrachtet werden, denn es hilft dem einzelnen Mitarbeitenden – konstruktiv formuliert – an sich zu arbeiten, sich zu verbessern und somit auf ein neues Level zu heben.

Zum Einsatz kommen bei dem Tech-Unternehmen aus Dresden dafür verschiedene Feedback-Tools. Neben monatlichen 1on1-Sessions zwischen Teamleitung und Mitarbeitenden, gibt es einmal im Jahr ein großes Feedbackgespräch für jeden Mitarbeitenden. Dabei können die Mitarbeitenden zwischen einem anonymen 360 Grad Feedback oder einem offenen Feedback Circle wählen. Bei diesem sitzen alle  Personen face-to-face in einer Runde, jeder bekommt Feedback von den anderen und kann direkt Rückfragen stellen. Das Ganze wird dabei vom HR-Team moderiert. Zudem hat LOVOO ein eigenes Feedback-Tool programmiert, mit dessen Hilfe zusätzlich 2-3 kleinere automatisierte Feedback-Sessions im Jahr möglich sind.

Bei LOVOO darf jeder gegenüber jedem Feedback äußern, das schließt auch die Führungskräfte mit ein. Diese sind genauso wie das HR-Team für Feedback-Prozesse gecoacht und stehen deshalb auch jederzeit bei auftretenden Konflikten als dritte Person zur Verfügung.

Und was, wenn es doch nicht passt? Das haben wir Julia gefragt. Wenn einmal Zweifel darüber aufkommen, ob eine Person langfristig die richtige Wahl für das Team ist, rät sie, die Situation immer anzusprechen. Aus eigener Erfahrung ließen sich so in 80 % der Fälle solche Zweifel direkt klären. Wichtig sei es herauszufinden woher Unstimmigkeiten kommen. Hat der neue Mitarbeiter vielleicht nur Angst, sich einzubringen, weil er in seinem vorherigen Job schlechte Erfahrungen gemacht hat? Dann gilt es entsprechende Maßnahmen einzuleiten und ihm die Chance zu geben, sich zu entwickeln. Erst wenn sich nach fünf bis sechs Monaten keine Lösung für ein Problem gefunden hat, sollte man darüber nachdenken, doch wieder getrennte Wege zu gehen, rät sie.

HR-Tipp #5: Schafft die richtigen Anreize für eure MitarbeiterInnen

Letztendlich hört der Job des HR-Teams nicht auf, wenn ein neues Teammitglied eingestellt ist. Langfristig gilt es wie schon betont, Mitarbeitende in ihrer Entwicklung zu fördern und sie zu halten. Dabei können auch die richtigen Anreize helfen sogenannte Benefits. Diese sind es auch, mit denen LOVOO Julia von Anfang an überzeugt hat.

„LOVOO war, was das Thema Benefits anging ein echter Vorreiter“, erinnert sich Julia. „Bei uns gibt es jeden Tag Frühstück, Offices mit moderner technischer Ausstattung und zum Beispiel Sportangebote.“

Ein Aspekt, den sich das Unternehmen noch aus Startup-Zeiten beibehalten hat. Benefits sorgen für ein motiviertes Team und „gute Vibes“ und kommen vor allem bei jungen Menschen gut an, die wiederum die entsprechenden Kompetenzen mitbringen. Auch die Feedbackkultur und die Möglichkeiten zur Weiterentwicklung, über die wir bereits gesprochen haben, zählen dazu. Sprach- und Führungskurse, Altersvorsorge, die Möglichkeit, aus dem Home-Office zu arbeiten (nicht nur während Corona), Team-Events und vieles mehr fallen zusätzlich unter diesen Aspekt. In diesem Kontext fällt natürlich auch das Thema Diversität.

„Bei uns gibt es keine Unterschiede in der Lohnstruktur“, betont Julia. „Bei den Gehältern spielen Verantwortung und Erfahrung eine Rolle, nicht das Geschlecht. Als Tech-Unternehmen sind wir auch besonders stolz darauf, dass ein Drittel unserer Führungskräfte Frauen sind. Unsere Managing Directorin Anna geht mit gutem Beispiel voran.“

Internationalität wird bei LOVOO ebenfalls großgeschrieben. Wer internationale MitarbeiterInnen beschäftigen will, sollten sich zunächst überlegen, ob diese remote oder vor Ort arbeiten sollen. Viele der internationalen BewerberInnen bei LOVOO ziehen nach Dresden oder Berlin. Das HR-Team hilft den neuen Teammitgliedern bei Visa, Wohnungssuche, Kontoeröffnung usw. Dabei sollte man im Hinterkopf behalten, das solche Prozesse einige Zeit in Anspruch nehmen können und genug Puffer für die Überbrückung einplanen. Um internationale MitarbeiterInnen zu finden, setzen Julia und ihr Team vor allem auf LinkedIn.

Auch im Home-Office sollte das Teambuilding nicht auf der Strecke bleiben. Bei gemeinsamen Koch-Sessions bleibt man auch über die täglichen Aufgaben hinaus in Kontakt. (Quelle: LOVOO)

Fazit

Startups die sich in der Wachstumsphase befinden brauchen einen guten HR-Ansatz. So früh wie möglich eine gemeinsame DNA zu schaffen, einen nachhaltigen Recruiting-Prozess aufzubauen, Führungspositionen mit den richtigen Talenten besetzen, eine offene und konstruktive Feedback-Kultur etablieren und langfristige Anreize schaffen sind die entscheidenden Schritte damit aus einem Startup ein erfolgreiches (Tech)-Unternehmen werden kann. Habt ihr noch mehr HR-Tipps für Startups? Lasst es uns in den Kommentaren wissen.

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