3DQR machen Augmented Reality massentauglich

Ein Gastbeitrag von Christian Strebe, Univations GmbH. Ein Interview mit Daniel Anderson von 3DQR – The Augmented Reality Builder.

Das Startup 3DQR (www.3dqr.de) aus Magdeburg hat eine Technologie entwickelt, die Augmented Reality (AR) – also die Überlagerung von realen Szenen mit virtuellen 3D-Inhalten im Live-Kamerabild von Smartphones, Tablets oder speziellen Brillen – massentauglich macht. Bekanntestes Anwendungsbeispiel ist momentan die App Pokemon Go. Wir haben mit Gründer Daniel Anderson über sein Startup, die Technologie, Anwendungsfelder und seine Vision gesprochen.

Daniel, warum benötigt die Menschheit eine Technologie wie Augmented Reality?

Mit Augmented Reality ist es möglich, sich mit Hilfe seines Smartphones oder Tablets ein neues Möbelstück vor dem Online-Kauf virtuell im eigenen Wohnzimmer anzusehen, positionsbezogene Wartungshinweise direkt über reale Geräte einzublenden oder gedruckte Werbeanzeigen vor Ort mit interaktiven 3D-Produktansichten zu erweitern. Der Kunde bekommt dadurch zusätzliche Informationen an Ort und Stelle und kann entweder seine Kaufentscheidung gezielter treffen oder eine Maschinenwartung exakt durchführen.

Wie bist du auf die Idee zu 3DQR gekommen und was ist das Besondere an eurer Technologie?

Die Idee zu 3DQR entstand aus meiner Arbeit am Fraunhofer Institut im Bereich Augmented Reality, zum Teil mit großen Unternehmen wie Volkswagen, Audi und Siemens. Bei der Umsetzung von AR-Systemen wurde dabei immer wieder deutlich, dass die Technologie riesiges Potenzial für Anwendungen in den Bereichen Marketing und Montage/Wartung besitzt, aber deren Einsatz bis dahin sehr aufwändig, teuer und experimentell war. Daraus entstand die Idee, ein neues, einheitliches System zur Darstellung von AR zu entwickeln, welches auf den existierenden Standard der QR-Codes aufsetzt und mit einer Reihe von Automatismen und Innovationen den Aufwand für Unternehmen zur Erstellung von AR-Inhalten stark vereinfacht. Zudem werden durch den etablierten QR-Code-Standard für Endanwender praktisch alle Einstiegsbarrieren entfernt.

Mal ehrlich – QR-Codes gibt es jetzt schon wirklich lange und finden sich fast überall. Gefühlt nutzt es aber niemand. Woran liegt das deiner Meinung nach und was macht ihr besser?

Weil die Informationen die bisher hinter den QR-Codes liegen, meist nur eine Weiterleitung zu einer Homepage oder Kontaktdaten sind, die man oft sogar schneller per Hand eintippen könnte. Bei 3DQR dagegen wird der QR-Code nur als bekanntes und verbreitetes Element genutzt, um darauf interaktive 3D-Visualisierungen zu zeigen. Wir nutzen den QR-Code also nur als Werkzeug, mit dem die meisten Leute schon umgehen können – das was wir darauf darstellen ist aber völlig anders als das, was man bisher von QR-Codes kennt.

Wie hast du aus der Idee ein Unternehmen entwickelt?

Ende 2014 habe ich begonnen das technologische Grundgerüst zu entwickeln. Durch die Unterstützung vom Investforum Startup-Service wurden parallel der Businessplan erstellt und Investoren sowie Fördermittelgeber angesprochen. Durch das ego.-Start Gründerstipendium konnte das Team erweitert und das Vorhaben aktiv vorangetrieben werden. Zudem konnten wir zwei Business-Angel überzeugen, die neben Investitionskapital umfangreiches Wissen und Unterstützung aus den Bereichen B2B-Vertrieb und Unternehmensführung, Vertragsgestaltung sowie Patentwesen einbringen. Im September 2016 haben wir die GmbH gegründet und sind seitdem aktiv am Markt.

Was genau bietet ihr Unternehmen an?

Das Produkt 3DQR besteht zum einen aus einer App für Smartphones und Tablets, mit der vollwertige 3D-AR-Szenen beliebiger Anwendungsfelder auf jedem normalen QR-Code dargestellt werden können. Diese App ist unter dem Namen „3DQR“ kostenlos in den Stores für Android und iOS verfügbar und lässt sich z.B. mit den Demo-Codes von www.3dqr.de/codes selbst ausprobieren. Sie wird bereits von vielen Unternehmen zur Darstellung von AR-Szenen eingesetzt, die im Rahmen von Projekten speziell für sie entwickelt wurden. Zum anderen bieten wir seit kurzem auch einen Online-AR-Konfigurator. Unternehmen können damit per simplem Baukastenprinzip eigene AR-Szenen aus verschiedensten Quellen zusammenstellen und selbstständig auf ihren QR-Codes platzieren. Durch die damit erreichte, uneingeschränkte AR-Szenen-Vielfalt und den Aufbau auf dem etablierten QR-Code-Standard wird erstmals die Voraussetzung für einen anwendungsübergreifenden AR-Standard geschaffen. Der Konfigurator ist aktuell noch in der Testphase und wir freuen uns über jeden Betatester. Zugang erhält man auf Anfrage per Mail an info@3dqr.de.

Und wie verdient ihr damit Geld?

Einnahmen generieren wir durch die monatliche Lizenzierung von 3DQR-Codes zur Platzierung von AR-Inhalten. Die Preise richten sich dabei nach der Anzahl der verwendeten QR-Codes und der Komplexität des darauf verwendeten Inhalts. Einfache Inhalte wie AR-Bilder, Videos und Visitenkarten-Avatare kosten beispielsweise 9,95 € im Monat, komplexere Inhalte wie 3D-Modelle oder komplette Unity3D-Bundles 19,95 € im Monat. Im Gegensatz zu vielen anderen Plattformen gibt es unabhängig davon keine Gebühr je Nutzer zur Verwendung des Systems, man kann also alles intensiv ausprobieren, bevor man die erste AR-Szene veröffentlicht. Da es mit der 3DQR-Plattform möglich ist, mit sehr geringem Aufwand eine beliebige Anzahl von AR-Szenen zu integrieren, können diese so günstig angeboten werden und schnell einen breiten Markt bedienen. Am Rande dessen bieten wir natürlich auch für alle Arbeiten im Zuge der AR-Strategie, -Konzeption und -Erstellung unsere Expertise als Dienstleistung an, angefangen von Workshops und Konzeptionen bis hin zum Bau von optimalen 3D-Modellen oder komplett individuellen Apps für Smartphones/Tablets und AR-Brillen. Insgesamt ist es unser Ziel, Unternehmen so schnell und günstig wie nie zuvor die Implementierung nachhaltiger Augmented Reality-Lösungen zu ermöglichen und dabei trotzdem höchste Darstellungsqualität sicherzustellen.

Wie ist der Status quo und was planst du für die Zukunft?

Aktuell wurden bereits für viele Unternehmen Projekte durchgeführt und es sind mit verschiedenen Unternehmen längerfristige Einsatzszenarien für 3DQR in Arbeit. In diesem Rahmen generieren wir bereits signifikante Umsätze, so dass die monatlichen Ausgaben aktuell nahezu vollständig durch Einnahmen gedeckt werden können. Während somit die Marktfähigkeit der Technologie bewiesen wurde, wird im nächsten Schritt der Übergang auf die in Kürze für die breite Masse veröffentlichte Webplattform geplant, über die das Geschäft dann mit minimalem Zusatzaufwand sehr stark skaliert werden kann. Zur technischen Optimierung, Marketing, Vertrieb und Kunden-Support der Plattform sind dabei zunächst weitere Investitionen zum personellen und strukturellen Aufbau sowie Marketing geplant.

Weitere Informationen über 3DQR findet ihr auf der Homepage.