Ein Startup trägt sich selbst

Finanzierung ohne Investor
Startup-Mitteldeutschland zu Besuch bei Simplias

Warum das Team die Basis für Erfolg ist und ein Investor nicht immer von Vorteil

Die Simplias GmbH hat eine Software für den mobilen Einsatz entwickelt. Sie heißt mfr. Simplias hat Startup-Mitteldeutschland in seine Büroräume in Leipzig Lindenau eingeladen. In entspannter Atmosphäre sprach der Gründer Jan Höppner und sein Team mit uns über die Idee bis zur Gründung, die Relevanz eines guten Teams, die Vor- und Nachteile Leipzigs als Unternehmensstandort und den Vorteil einer Finanzierung ohne Investoren.

Vor 7 Jahren, als die Android Smartphones dem iPhone nacheiferten und das iPad auf den Markt kam, hatte Gründer Jan Höppner den Einfall, dass man doch damit etwas anstellen könnte. Er hatte Spaß an Software-Entwicklung und etwas Geld als Freelancer. Durch einen Freund, der im Anlagenbau tätig war und sich dort um die Installation von Filialen kümmerte, kam der erste Anstoß. Bei der Installation von Filialen müssen Abnahmeprotokolle erstellt werden. Die mussten damals mühsam in Word geschrieben, einzelne Bilder mussten ausgewählt und hinzugefügt werden. Die Idee: eine Checkliste mit Bildern einfach auf dem Tablet nutzbar zu gestalten. Allein mit Checklisten lässt sicher aber kein Geld verdienen, also mussten weitere Features dazu, wie z.B. eine Funktion zur Einsatzplanung. Als ein Heizungsinstallateur in einem Gespräch Feedbackgab, was er alles in der App bräuchte, damit er sie kostenpflichtig nutzen würde, wurde mfr entwickelt.

Was macht mfr einzigartig?

Mfr steht für Mobile Feed Report. Die Abkürzung entstand durch Techniker, die dieses „mobile file dings“ schnell abkürzten. Vorteile von Mfr sind unter anderem die mobile Lösung für die Einsatzplanung und Kundenunterschriften ohne Zettel. Jan Höppner ist sich bewusst, dass mfr nicht die erste oder einzige App ist, die mehrere Services in sich vereint. Den Vorteil von mfr sieht er aber vor allem in der Flexibilität der App. Eine schnelle Back- und Frontend Anpassung ermöglicht es individuelle Wünsche der Kunden schnell umzusetzen. Auch Qualität zählt zu den Vorteilen. Im Handwerksbereich müssen technische Hilfsmittel funktionieren. Die Produkte werden mehrmals geprüft. Erst dann werden sie an den Kunden gegeben. Das Überprüfen kann auch zwei Monate in Anspruch nehmen. Danach funktioniert das Produkt dann aber auch.

Als sehr wichtig hebt Jan Höppner das Team hervor. Er findet, dass vor allem internationale Teams spannende Ideen hervorbringen. Der Austausch unterschiedlicher Menschen mit unterschiedlichen Vorstellungen fördert neuen Input. Jan Höppner sagt, dass es gerade für kreative Menschen aus den Bereichen Marketing und Design wichtig ist, sich in lockerer Atmosphäre austauschen zu können. Man kann sich natürlich sprichwörtlich mit der Peitsche hinstellen und seine Mitarbeiter unter Druck setzen, doch wohlfühlen kann man sich so nicht. Jan Höppner ist der Ansicht, dass Motivation gerade dadurch kommt, wenn sich Mitarbeiter wohlfühlen.

Eine Finanzierung ohne Investoren

Jan Höppner sagt, ohne Fördermittel vom Staat wäre eine Gründung nicht möglich gewesen. Zu Beginn der Gründung konnte er sich durch eigene Mittel Finanzieren. Fördermittel für Gründer konnten ihm dann aber dazu verhelfen weiter am ball zu bleiben. Er hat sich bewusst gegen die Finanzierung durch einen Investor entschieden. „Ich sag ganz ehrlich: es ist das Umfeld was zählt. Man hätte mit Investoren viel schneller, viel weiter kommen können. Aber irgendwann ist es dann auch nicht mehr dein Baby. Das ist einfach eine Entscheidung. Investoren bringen auch einen gewissen Druck mit und auch Energien, die vielleicht keinen Spaß machen. Klar ist dann Geld drin und das wird gepusht, aber dann ist das eine Kapitalismus Schleife. Es ist ja nicht so, dass die Leute keinen Bock auf Arbeiten haben, es muss eben nur so sein, dass es sich gut anfühlt. Das war der Grund warum wir nicht auf Investoren gegangen sind. Jetzt rät man uns von Investoren ab, weil wir uns selbst finanzieren können.“

Die Zukunft der Simplias GmbH

Zunächst wünscht sich Jan Höppner, dass sein Team wächst. Im nächsten Jahr sollen bis zu 16 Mitarbeiter bei Simplias beschäftigt werden. Auf lange Sicht möchte er gerne ein solides Software-Unternehmen im Bereich mobile Lösungen etablieren. Innovationen sollen in Zukunft weiter im Mittelpunkt des Unternehmens stehen. Als großes Vorbild nennt er Elon Musk. Jan Höppner sagt: „Ich will nicht die Welt beherrschen oder so.“ Es ist ihm aber wichtig, dass es immer Platz für innovative Ideen in seinem jungen Unternehmen gibt.

Vor- und Nachteile des Unternehmensstandorts Leipzig

Leipzig hat gegenüber anderer Städte mit einer Startup-Szene den Vorteil, dass man leichter an Räume heran kommt, „zumindest war das vor drei Jahren noch“ so Jan Höppner.  Außerdem hat er in Leipzig das Gefühl, dass es eine große Innovationskraft gibt. Auch Mitarbeiter sind hier günstiger als etwa in München nach Höppners Einschätzung. Der Leipziger startete sein Unternehmen in München, ist nun aber wieder zurück in seine Heimat gekommen. Er findet die Startup-Szene in München sehr kompetitiv. Startups haben es schwer, da sich alles ums Geld dreht. Seiner Meinung nach kann da nichts entstehen, weil viele Ideen  nicht umgesetzt werden können. Die Berge vermisse er allerdings, gibt er zu. Seine Mitarbeiterin und Frau Tamina Höppner ergänzt, dass zwar der Ruf von Ostdeutschen Städten als Unternehmensstandort teilweise noch negativ behaftet ist, dass sich das aber schon stark verbessert hat und sich auch weiter verbessern wird.