Wie drei Unternehmer eine traditionelle Business Nische revolutionieren – TEIL 2

Impact Hub Dresden

Interview von Natalia Krakowiak

Letzte Woche sprachen wir darüber wie alles anfing mit Packwise. Wie kam es von zwei zu drei Gründern?

Gesche: Als wir angefangen haben, wussten wir noch nicht einmal einen Namen für das Unternehmen. Aber wir wussten dass wir eine dritte Person für die IT bezogenen Aufgaben brauchten. Wir wussten, dass es eine Herausforderung werden würde jemanden zu finden, weil wir kein ordentliches Netzwerk in Dresden hatten. Zuerst dachten wir daran mit Agenturen zusammenzuarbeiten um diese Stelle zu besetzen, aber wir hatten Glück, dass wir jemanden finden konnten der dem Team als dritter Gründer beitrat.

René: Wir kannten uns überhaupt nicht bis wir eines Dienstags zusammen beim Hub Cake Tuesday Event ins Gespräch kamen. Sogar da wussten wir noch nicht, dass einfache Ratschläge, IT Tipps und Hinweise zu einer langjährigen Co-Founding Beziehung führen würden. Nach einer Weile begriff ich, dass das Projekt nicht an eine Agentur ausgelagert werden konnte, weil es Felix und Gesches Fähigkeiten das Projekt nach ihren Vorstellungen umzusetzen beeinträchtigt hätte. Auslagern hätte bedeutet, dass sie ein fertiges Produkt bekommen hätten, an dem sie nichts mehr verändern und nach bearbeiten können und das war der Zeitpunkt als ich einstieg.

Felix: Jeder im Hub erzählte uns, dass René immer stark in verschiedene Projekte involviert war und immer viel an Input in Meetings und Diskussionen beisteuerte. Diese Empfehlungen waren sehr wichtig für uns und ermöglichten es uns, René besser kennen zu lernen. Wenn du jemanden dazu einlädst deinem Team beizutreten, möchtest du wissen mit wem du zusammen arbeiten wirst.

Denkst du, dass Hub einen Unterschied macht für euer Unternehmen?

Felix: Ja auf jeden Fall. Es fängt mit dem „plug & play“ Ansatz an, was die Kosten und Risiken für das Starten eines Unternehmens deutlich senkt. Mit der ganzen Infrastruktur vor Ort mussten wir uns nur einen Schreibtisch aussuchen, unsere Laptops mit dem Internet verbinden und wir waren bereit loszulegen. Wir drei sind aufgeschlossene Menschen, die auch gerne in Gesellschaft sind zu vielen Gelegenheiten wie Kuchen essen, Mittagessen, einfach nur in der Küche sich unterhalten, zum Freitagsfrühstück u.v.m. Es gibt immer jemanden der wertvollen Rat weiß, egal was du gerade auf dem Herzen hast. Das Impact Hub bündelt viel Erfahrung und viele Menschen verschiedenen Alters und Werdegang. Wenn du es nicht schaffst gleich die richtige Ansprechperson zu finden, hilft dir das Impact Hub Team oder eines der Mitglieder dabei. Wir haben Glück dass wir uns mit Startups austauschen können, die bereits durch die ganzen Phasen gegangen sind, die wir durchlaufen und wir können von ihnen lernen wie man mit bestimmten Themen umgeht. Wir haben aufgehört mitzuzählen wie oft uns das Impact Hub Team oder Mitglieder uns Investoren, Agenturen, möglichen Mitarbeitern, Anwälten, Akademikern, Beratern usw. vorgestellt haben. Solche Bekanntschaften sind offensichtlich sehr hilfreich. Zu guter Letzt profitieren wir von Verträgen, die das Impact Hub mit einer Vielzahl von Anbietern geschlossen haben, wie zum Beispiel Hubspot.

Welcher Fortschritte hat euer Projekt gemacht und was sind eure nächsten Schritte?

Felix: Für die letzten 6 Monate haben wir uns darauf konzentriert einen Businessplan zu schreiben, unsere finanzielle Planung vorzubereiten, unser Packwise Marke zu erarbeiten und natürlich das Produkt auf zu bauen. René hat hierbei einen fantastischen Job gemacht. Momentan kümmert sich der Makers Club darum Renés Produkt ein ansprechendes Design zu geben. Wir sind auch dabei die Packwise Plattform mit Kunden zu testen. Unser Ziel ist es echtes Kunden Feedback zu bekommen was wir dann für den Produkt Launch implementieren können. Wir haben eine erste Finanzierungsrunde hinter uns und sind froh, eine EU Förderung des SAB Technologiegründerstipendium bekommen zu haben. Für die nächsten Monate planen wir eine Markteing und Sales Aufstellung und planen eine zweite Finanzierngsrunde.

Was sind eure größten Bedenken zu diesem Zeitpunkt?

Felix: Eine unserer größten Herausforderungen ist es die richtigen Leute für Jobs zu finden, in deren Bereichen wir keine Experten sind. Wir strengen uns außerdem sehr an, unsere USPs in einer verständlichen Art und Weise an unsere Kunden zu kommunizieren. Wir müssen das relativ komplizierte Thema leicht verständlich in wenigen Sekunden klarmachen können. Es ist überraschend wie schwierig das sein kann.

Wenn wir schon bei Formsachen sind: Gibt es bestimmte Tools, die ihr anderen Startups empfehlen könnt?

Felix: Momentan nutzen wir Google Drive & Docs, weil es Teamarbeit leicht macht und umsonst ist. Außerdem nutzen wir Trello um unsere To Do Listen nicht aus den Augen zu verlieren; wir kommunizieren meistens über Slack und organisieren unsere Mail-Kampagnen mit Hilfe von Mailchimp.

Was ist die wichtigste Lektion, die ihr gelernt habt bei der Gründung eines Startups?

Gesche: Ich denke wenn man sich dazu entscheidet zu gründen, dann muss man einfach ins kalte Wasser springen und sich nicht die ganze Zeit dabei Hinterfragen. Wir haben uns entschieden es zu probieren und dass wir uns nicht entmutigen lassen von Menschen, die nicht so begeistert sind von der Idee wie wir.

Felix: Am Anfang hatten wir auch die Vorstellung von klassischer Industrie, dass man sehr verschwiegen mit seinen Plänen sein muss und das Projekt nur extern zu kommunizieren, nachdem es fertig ist. Wir haben schnell gelernt, dass diese Strategie nichts für uns ist. Wir brauchten auf Anhieb externen Input also haben wir darüber mit einigen Leuten gesprochen. Hätten wir das nicht gemacht, hätten wir auch René nicht gefunden.

Team Packwise
Felix Weger, René Burnhardt und Gesche Weger

Was war der beste Ratschlag denn ihr je bekommen habt?

Felix: Wir haben tatsächlich einige Ratschläge zu Beginn bekommen. In der Startup Welt gibt es ein paar Regeln, von denen manche Menschen glauben, sie seien immer richtig. Dass du beispielsweise einen MVP brauchst und schnell wachsen musst und dass es unmöglich ist keine Fehler zu machen usw. Oh und dass alle Unternehmen böse sind (lacht). Es scheint mir sehr schwierig zu sein zu unterscheiden, welcher Ratschlag gut und welcher schlecht ist. Ich denke du musst deinen eigenen Ansatz finden, weil manche Dinge sind gut für manche Leute, aber sie funktionieren vielleicht nicht für dich.

Gesche: An einem meiner ersten Tage im Impact Hub habe ich Lars getroffen. Wir unterhielten uns über Packwise und einige Ideen und er fragte mich wer mein Berater wäre. Ich war etwas irritiert, denn wir bekamen Hilfe von verschiedenen Quellen, aber hatten nie wirklich darüber nachgedacht einen Unternehmensberater zu nehmen. Er brachte mich in Kontakt mit einem vertrauenswürdigen Berater, Roman Schwartz von Bergmyster, der uns ehr geholfen hat in den ersten Phasen unseres Unternehmens. Wir haben neue Kontakte geknüpft und von der Förderung erfahren und haben generell unsere Füße auf den Boden bekommen. Das waren wirklich sehr wertvolle Ratschläge.

René: es war eine schwierige Entscheidung für uns, ob wir nun einen ordentlichen Businessplan schreiben sollten oder nicht. Aber mit dem richtigen Ansatz, schien es ein schneller Prozess zu sein, vor allem wenn man das Business Modell Canvas nutzt. Das Muster war sehr hilfreich und erforderte einiges an Marktforschung — das hat uns wirklich einen ordentlichen Plan für die nächsten Schritte gebracht.

Gesche: Ja, einen Businessplan zwingt dich dazu sehr viel über alles nachzudenken.

Gibt es etwas, von dem ihr dankbar gewesen wärt es vor der Gründung von Packwise gewusst zu haben?

Gesche: Wenn ich Packwise nochmal starten würde, hätte ich gerne vorher gewusst dass es nicht 4 Wochen dauert einen Businessplan zu schreiben. Es hat uns fast ein halbes Jahr gekostet den Businessplan zu schreiben.

Genug von Arbeit und Unternehmen. Was ist eure liebste Freizeitbeschäftigung im Impact Hub Dresden?

René: Ich bin ein Fan der Cake Tuesdays. Und unser neuer Favorit ist die Tischtennisplatte; wir spielen ziemlich viel.

Felix: ich finde der Relax Bereich ist sehr schön, aber auch sehr gefährlich. Es ist leicht dort einzuschlafen während der Arbeitszeit.

René: wir haben auch schon Freizeit außerhalb der Arbeit zusammen verbracht. Unsere erste Firmenveranstaltung war Gleitschirmfliegen und ich liebe es Ferien in den Bergen zu verbringen. Wenn ich eine Superkraft wählen müsste, wäre es fliegen.

Wenn ihr eine Sache in der Welt ändern könntet, was wäre es?

Gesche: ich wünschte wir könnten mehr nachhaltige Lösungen verwenden in der Welt. Und mein Traum ist es, dass wir all das Unglück und das Leiden loswerden!