10 Fragen an Pendix: Wie erobert man den Europäischen Markt als junges Unternehmen?

Pendix
(c) Pendix: Pendler mit Pendix Akku.

Die Pendix GmbH stellt Elektroantriebe her, die fast alle Fahrräder zu E-Bikes machen können. Der Antrieb Pendix eDrive ist seit September 2015 auf dem Markt. Er ist geräuschlos, kompakt, schlicht, ästhetisch und passt sich nahezu jedem Rad an. Für den Antrieb gibt es zwei verschiedene Akkus: den ‚Pendix 500‘ mit einer Reichweite von bis zu 160 Kilometern und den etwas kleineren ‚Pendix 300‘, der den Radfahrer bis zu 100 km unterstützt. Die drei Unterstützungsstufen des Antriebs schieben nur so viel nach, wie der Fahrer es individuell für nötig hält. Das junge Unternehmen aus Zwickau beschäftigt aktuell über 40 Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz in einstelliger Millionenhöhe. Investoren sind u. a. der Technologiegründerfonds Sachsen, die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Sachsen und AS Vantage Holding. Wir haben mit Gründer Thomas Herzog über den erfolgreichen Schritt in die Internationalisierung gesprochen.

1. Wie kam es zur Idee, einen Akku für E-Bikes zu entwickeln?

Im Grunde war das reiner Zufall. Wir sind ein Gründerteam von sechs Leuten und kommen alle aus der Autobranche. Unser erstes gemeinsames Startup war Herms Technologies, mit dem wir überwiegend Prototypen für die Automobilbranche entwickelt haben – wie beispielsweise Steuergeräte für das 24-Stunden-Rennen von Le Mans oder die Rallye Paris-Dakar. Die Initialzündung für den Wechsel kam dann 2012: Ein Fahrradhersteller beauftragte uns, einen Motor für ein E-Bike zu entwickeln. Dieser hatte konzeptionell nichts mit Pendix zu tun, hat uns aber für das Thema Elektrofahrrad begeistert. Uns war klar: Das Thema hat extrem viel Potenzial, und so einen Antrieb können wir relativ schnell zur Marktreife bringen. So haben wir 2013 dann Pendix gegründet.

2. Pendix hatte 2017 ein sehr erfolgreiches Jahr hinter sich. Euer Umsatz hat sich verdreifacht. Ein Drittel des Umsatzes, konntet ihr international erwirtschaften. Seid ihr überrascht, dass ihr auch international so viel Erfolg hattet?

Im September 2015 haben wir den Pendix auf dem Markt eingeführt. Und wir können sagen, dass die Entwicklung gerade in letzter Zeit unsere Erwartungen übertrifft. Naja, für uns ist das natürlich keine Überraschung, denn der Pendix hat im Vergleich zu anderen Systemen zahlreiche Vorteile. Das hochwertige Design ist nur einer davon. Die Kunden schätzen aber auch die Geräuschlosigkeit, das geringe Zusatzgewicht und, dass man den Pendix an nahezu jedes Rad anbauen kann. Zudem überzeugt er durch seine intuitive und bequeme Bedienung und den Händler bietet das System unschlagbare Vorteile: Dieser profitiert von der einfachen Montage und unserem umfassenden Service, sowie nicht zuletzt von einer Versicherung, die das Haftungsrisiko für ihn auf null herunterfährt.

Pendix
(c) Pendix: Akku

3. Hattet ihr Bedenken eure Antriebe auf dem europäischen Markt zu platzieren? Falls ja, welche? Falls nein, warum nicht?

Da die europäischen Regelungen identisch sind, war der Einstieg ein konsequenter Schritt, den wir ohne Zögern angegangen sind. Der Hauptaufwand ist die Logistik und der Service, was wir aber sehr gut strukturieren konnten.

 

4. Wie ist euch der Einstieg in den europäischen Markt gelungen?

Wir arbeiten ausschließlich mit erfahrenen und motivierten Partnern zusammen, die den Vertrieb und Support in den jeweiligen Ländern sicherstellen. Somit haben wir nur einen Ansprechpartner, dass verringert den Aufwand ungemein.

5. Welches war dabei die wichtigste Erfahrung?

Die Tatsache, wie unterschiedlich benachbarte Länder in Ihrer Nutzung und Investitionsbereitschaft beim Fahrrad sind. Frankreich ist da komplett unterschiedlich zu der Schweiz oder den Niederlanden. Das macht die Arbeit mit Partnern mit spezifischer Marktkenntnis unverzichtbar.

6. Was würdet ihr anderen Gründern raten, die den Einstieg in den europäischen Markt suchen?

Das kann man schlecht pauschalisieren, dazu sind Produkte einfach zu unterschiedlich. Für uns war der Weg über Partner der richtige, während es für andere ein Direktvertrieb sein kann. Wichtig bei allem: solange die Struktur im Heimatmarkt nicht steht, sollte man lieber mit der Erschließung anderer Länder warten und die Hausaufgaben machen, sonst skaliert man nur unnötig Schwachstellen aus der eigenen Struktur in andere Märkte.

7. Welche Pläne habt ihr für die nächsten 3 Jahre?

Zunächst wollen wir Pendix in Deutschland und Europa weiter etablieren, bevor eine weitere Internationalisierung auf dem Plan steht. Anschließend werden wir unser Angebot auf intelligente Antriebe für weitere, spannende Fahrzeugkonzepte ausweiten, da sind die Schubladen schon weit offen und es wird bereits hart daran gearbeitet. Als Arbeitgeber wollen wir vor allem für künftige Spezialisten eine junge Alternative zu bekannten Branchengrößen darstellen. Es gibt nur wenige Unternehmen, die in solch einer spannenden Kombination von Entwicklung, über Produktion, Sales und Marketing an einem innovativen Produkt arbeiten. Das wollen wir in die Welt tragen und Pendix als attraktiven Arbeitgeber positionieren.

8. Gab es auch mal schwierige Phasen während der Gründung? Wie hast du diese gemeistert?

Ich bin bekannt für meinen grenzenlosen Optimismus, aber: Im echten Leben dauert alles immer länger, kostet mehr und verursacht zusätzlichen Aufwand, das zeigt die Erfahrung. Das sollte man einfach als gesetzt sehen, dann bricht man nicht bei jedem Hindernis zusammen. Die Engländer haben dafür einen schönen prägnanten Satz: „Shit Happens, So Get Over It!“

9. Was bedeutet es dir als Gründer dein eigener Chef zu sein?

Die Tatsache, dass man im Gründerkreis etwas aufbaut und Arbeitsplätze für jung und alt schafft, ist immer wieder motivierend und eine schöne Bestätigung dafür, selbst Arbeitgeber zu sein.

10. Was würdest du arbeiten, wenn du nicht gegründet hättest?

Vor dem Studium wollte ich immer unbedingt in der deutschen Automobilindustrie arbeiten, das zieht mich heute überhaupt nicht mehr an und hat komplett seinen Reiz verloren. Mit diesem tollen Team bei Pendix die Elektromobilität aktiv mitzugestalten ist ein Traumjob, da gibt es keine gedanklichen Alternativoptionen mehr.

Vielen Dank Thomas Herzog für deine Zeit und alles Gute für die Zukunft von Pendix!